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DOS & DON'TS
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Mein Mann und ich sind Beutelwächter. Wir bewachen die heiligen Beutel unseres Stammes. In ihnen befinden sich Gegenstände, die uns sehr heilig sind. Ich darf nicht sagen, was genau sich darin befindet, aber wir öffnen sie nur an wenigen Tagen im Jahr, als Teil von besonderen Ritualen und die Objekte darin sind sehr mächtig. Früher trugen die Frauen diese Beutel auf dem Rücken. Sie stehen für das Überleben unseres Stammes. Unsere Aufgabe ist es, sie zu schützen und an unsere Kinder und Enkel weiterzureichen. Unsere Stammesführer haben sich stark an die Gesellschaft angepasst. Sie wissen wenig von der einstigen Spiritualität der Schwarzfüße. Es begann, als man unsere Kinder auf reguläre Schulen schickte. Diejenigen, die sich am besten anpassten, wurden belohnt. Sie kamen zurück und wurden Stammesführer. Viele Indianer, die man heute sieht, Leben ein Leben, das ihnen von außen aufgezwängt wurde. Wir müssen versuchen, unsere Kultur wieder zu beleben, die Indianer wieder zueinander zu führen, so dass sie aufstehen und eigenständig gegen ihre Unterdrückung kämpfen können, ohne Hilfe von außen. Man versuchte uns unsere Kultur wegzunehmen, aber sie ist nicht gestorben. Unter der Oberfläche lebte sie weiter. Die Sprache der Schwarzfüße kommt langsam zurück, dabei war sie fast verschwunden. Wir haben ein bestimmtes Ritual, eine Zeremonie mit einer medizinischen Pfeife. Sie geht über vier Tage. So lange dauert es, um die Pfeife zu übergeben. Wenn früher ein christlicher Priester von so einer Zeremonie Wind bekam, meldete er es den Behörden und unsere Sachen wurden konfisziert. Die Verantwortlichenals Ketzer beschimpftmussten ins Gefängnis. Der Priester brachte dann den Beutel mit den Gegenständen in die Christenmission, wo er verbrannt wurde. Es dauerte lange Zeit, bis uns gestattet wurde Adlerfedern für spirituelle Zwecken zu tragen. Bis zu den Zeiten von JFK war es gegen das Gesetz. Die psychologischen Nachwirkungen sind bis heute spürbar. Wenn man heute in einer Gruppe Schwarzfüße mit den alten Ritualen anfängt, merkt man wie sie verkrampfen: „Oh nein, sprechen wir nicht über Traditionen, es könnte jemand bei einem Unfall zu Tode kommen…“ Im Ernst, der psychologische Schaden ist gewaltig. Wenn man sich unsere Gesellschaft ansieht und versuchen würde, Alkohol-, Drogen- oder Kindesmissbrauch zu verbannen, es würde nur ein kleines Feuer löschen, wo längst der ganze Wald brennt. Statt sich nur mit Einzelheiten zu befassen, muss man zurück zu den Wurzeln der Probleme. Ihr solltet den berühmten Psychologen Abraham Maslow kennen. Er entwickelte ein psychologisches Werkzeug, die Hierarchie der menschlichen Bedürfnisse. Eine Pyramide, deren Fundament aus Essen, Kleidung und Sicherheit besteht. Die Idee dazu bekam er von den Schwarzfüßen. Er verbrachte einen Sommer bei unserem Stamm und erkannte den Wert unserer Philosophie und wie sie uns beim Umgang mit sozialen Problemen half.
Nicht nur jeder Mensch, auch jeder Gegenstand hat spirituelle Bedeutung für uns. In anderen Philosophien steht der Mensch über dem Tier. In unserer bildet allesTiere, Menschen, Sterne, Bäume und die Erdeeine Einheit. Niemand ist auf sich allein gestellt, wir sind alle auf einer gemeinsamen Reise. Jeder vor uns und jeder nach uns ist auf der gleichen Reise. Diese Vorstellung nimmt die Güte des Christentums und hebt sie auf ein völlig neues Level. Mein gesamtes Leben hat sich seitdem verbessert. Das Erbe der Schwarzfuß-Indianer ist in den heiligen Beuteln enthalten. Um jeden Beutel entsteht eine Gemeinschaft. Die Bibergemeinschaft hat eine bestimmte Rolle und einen bestimmten Teil an Wissen, den sie bewahrt, und ebenso hat die Medizingemeinschaft ihre Rolle und ihr Wissen. Jeder Beutel ist von einem Mann und einer Frau bewacht, damit die männliche und die weibliche Sicht der Dinge bewahrt werden. Die Beutel selbst sind die Anführer der Schwarzfüße. Unseren Leuten fehlt das heute ein wenigeine Hand, die sie führt. Wir sitzen zwar hier und bewachen die Beutel, aber sie sind die wahren Anführer. Sie sorgen für unser Wohl, emotional, spirituell, physisch und mental. Für bestimmte Dinge geht man zu einem bestimmten Beutel. Die medizinische Pfeife eignet sich besser für einen Arzt als die Biberpfeife. Wenn jemand krank ist, fragt er nach der medizinischen Pfeife. Wie mein Mann immer sagt: wenn du mit einer Krankheit, einer spirituellen Schwäche oder einem Alkoholproblem zu uns kommst, verschwendest du deine Zeit. Geh zum Medizinbeutel und du findest eine Lösung. Du musst dir nur darüber im Klaren sein, was du dir wünschst. Bob ging einmal zu einem Beutel, weil er Geldprobleme hatte. Er bat darum, dass seine „finanziellen Schwierigkeiten gelöst werden“. Nach Abschluss der Zeremonie hoffte Bob auf einen Lotteriegewinn oder andere überraschende Einnahmen. Stattdessen schickten in den nächsten zwei Wochen alle Gläubiger ihre Geldeintreiber bei uns vorbei. Als einer nach dem anderen mit seinen Forderungen zu uns kam, musste Bob sich wohl oder übel mit ihnen auseinandersetzen und eine Lösung finden. Am Ende waren wir schuldenfrei. Um mehr hatte Bob ja auch nie gebeten. CHARLENE BURNS
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