Seht ihr den Punkt? Da wohne ich.


Über mir sitzt ein Journalist ein, der aus Eifersucht so oft mit der Schere hinter seiner Freundin hergerannt ist, dass er über seine Freiheitsstrafe hinaus sicherungsverwahrt wird. Der rezensiert politische Bücher, agiert wie in der Freiheit, hört Zuhause seinen AB ab und jagt die Texte nach der Reiseschreibmaschine (Computer und Internet sind nicht erlaubt) via Fax raus. Natürlich klimpert es dafür auch—die können ja sonst wohin überweisen.

Allerdings ist die Elite bei 1800 Mann an zwei Händen abzählbar. Das Heer der ewig Doofen, den gefährlichen Dummen überwiegen. Über alledem die Aasgeier, die über Rufnummern der Yellow–Press–Schmierer verfügen und bei Ereignissen wie Mord, Totschlag, Flucht oder Vergewaltigung im Knast in der Gier nach einer Prämie schnell am Hörer hängen und Hetzinfos anfüttern.

Wer Kohle hat, kann Zeitungen abonnieren, Rang Eins: Das TV–Programm. Jedes Haus verfügt über eine gut sortierte Bücherei, meist aussortiertes aus den Bezirksbibliotheken. Der ultimative Renner sind allerdings „Schwingen” (stammt von der Handbewegung beim Wichsen). Die Pornos laufen als Schwarzmarktwährung, das heißt, dass ein Edelhochglanz (unbespritzter Zustand) schon drei Päckchen Tabak bringen kann.

Klar haben wir auch eine eigene Zeitung: „Der Lichtblick” ist aber eher ein Blick in die Schattenwelt, mit grauen Alltagsgeschichten von Einschränkungen, Disziplinarverfahren, der Straffprozessordnung oder Berichten wie der „Beamte des Montas”. Oder wie wäre es mit: M, 37, Single, volltätowiert, noch 9 Jahre Riegel, sucht hübsche Sie bis Anfang 50, gerne auch inhaftiert. Oder mal ein Kochrezept, wie man(n) aus einer Dose Thunfisch einen Tuna Burger zaubert.

Mein Zellennachbar, ein sich strafbar gemachter Kirchen–, Talkshow– und Bundestagsstörer, hat einmal sein T–Shirt mit dem Aufdruck „Tut Buße” aufgezogen an einem Besenstiel aus dem vergitterten Fenster gehalten, so dass die vorab informierte Journalie auf der anderen Seite der Mauer mit Teleobjektiv gestochen scharfe Fotos schießen konnte. Als der leitende Schließer dann am nächsten Morgen mit der frisch gedruckten Zeitung in den Knast kam, war eins klar: Verlegung! Mit Ausblick auf den uneinsehbaren Innenhof.

Wer innerhalb des Knasts gegen Regeln verstößt, Schnaps ansetzt, kifft, Beamte verprügelt oder Mobiliar zerkleinert, geht in den Bunker. Da gibt’s dann nur eins im sterilisierten, fensterlosen Raum: Die Bibel.

EUER MANN VOM PLANET TEGEL



Your email:
Their email:


Comments:

Subject: planet tegel
Date: Jan 09 2006 10:35:44 AM
Author: carhartt

ja der typ kommt vielleicht wirklich aus dem knast aber er hat trotzdem nichts als scheiße zu erzählen...
und du da unten, wie kann man sich denn bloß nach einer möchtegern alternativen hip-hop-marke benennen?



Subject: wow
Date: Dec 05 2005 09:42:30 AM
Author: ezekiel

geil



Post a comment:
(posts that are not on topic will be removed)

Name:
Subject:
Comment:





© 2005-2007, Vice Magazine Germany
| Site Design: Solid Sender