Das ist Leo mit seiner Waffe. Photo vom Autor.





Mailand, 14. Oktober, 13:45
Ich sitze in einer Bar in einem Mailänder Vorort. Die Einrichtung ist schäbig. Am Glückspielautomat steht ein alter Mann mit Schnurrbart, der schon um die 100 Euro in die Maschine gesteckt hat. Jetzt schreit er herum, weil er kein Glück hat. Teo kommt zu spät. Teo ist 27 und überzeugt, eines Tages Schauspieler zu werden. Natürlich ist er nie zur Schule gegangen, aber er ist smart, tüchtig und ich denke, er hätte das Talent dazu—obwohl er sein Gesicht hinter der kühlen Maske des Soldaten versteckt.

„Keine Frage, 10 Jahre Piazza sind besser als jede Schule”, sagt er stolz. Was für Gangs in L.A. ihr „Block” ist, ist in Italien die „Piazza”: Die Bühne für illegale Aktivitäten jeder Art. Heute sind die Perspicace, die Flachi und die Morabito, die drei führenden Familien der Ndrangheta (kalabresische Mafia), der Cosa Nostra (sizilianische Mafia) und der Camona (neapolitanische Mafia), einen Schritt zurück getreten. Sie kontrollieren das Geschehen aus der Ferne, während sie die Details den Immigranten überlassen, aber die Piazza bleibt der ultimative Maßstab krimineller Macht. Die Stärke einer Gruppe, oder eines einzelnen hitzköpfigen „Maranza”, wird gemessen an der Reputation des Platzes, den sie kontrollieren, am Territorium, das sie besitzen und daran, wie gefährlich diese Plätze für die Mitglieder anderer Gruppen sind: Plätze wie Corvetto, Odazio, Barona, Giambellino, Bruzzano.

Seit den 70ern ist Mailand das Drehkreuz des internationalen Drogenhandels, an dem man jede erdenkliche Sorte Opiate finden kann: Kolumbianisches Kokain, marokkanisches Haschisch, spanisches Opium, türkisches Heroin, holländisches Gras oder feinstes Ketamin aus London.

Mailand ist die Kriminalitätshauptstadt Italiens, wenn man bedenkt, dass zu dem hohen Maß an Drogenhandel noch Milliarden von Euro hinzukommen, die hier gewaschen werden. In mir wuchs der Beschluss, in die Welt der kriminellen Piazza einzutauchen. Zu diesem Zweck wollte ich mich als „Maranza” ausgeben, der eine Pistole kaufen will.

Ich bitte Teo um Hilfe, denn Teo kennt diese Welt. Als er 14 war, begann er, kleinere Jobs für eine der Familien zu machen. Er war ein brav aussehender Junge. Niemand verdächtigte ihn. Als er 16 war, ging er bereits nicht mehr ohne Pistole aus dem Haus. Er spezialisierte sich auf Drogenschmuggel, vor allem Pillen und Kokain, doch 2002 wurde einer seiner ältesten Freunde bei einem Überfall erschossen. Teo schmiss alles hin, verließ die Familie, blieb ihr aber loyal verbunden und bringt gelegentlich noch das eine oder andere Gramm für sie an den Mann.

Meine Idee gefällt ihm. Er findet sie lustig—„wie im Film”—also wird er mein Reiseführer, für einen zweitägigen Trip als Krimineller durch den Mailänder Untergrund.

Gegen 14 Uhr taucht er auf und trägt mehr Parfüm als eine japanische Nutte. Er entschuldigt sich nicht für die Verspätung. Er nickt mir lediglich zu und starrt mich an, begutachtet mein neues Outfit. Von Kopf bis Fuß trage ich exakt, worum er mich gebeten hat: Mütze, Trainingsanzug, eine Goldkette über dem Sweatshirt. Der Trainingsanzug ist wichtig: In vielen italienischen Gefängnissen darf man ihn statt der regulären Gefängniskleidung tragen, wodurch er zu einem Symbol für Respekt geworden ist. Er bedeutet, dass du schon gesessen hast, und Knasterfahrung ist ein Plus im Lebenslauf des Mafiosi.

„Minchia Frà, stylish... Wo kommst du her, Opera (eine Piazza der Camorra) oder San Vittore (Mailands größtes Gefängnis)?” Er meint es als Kompliment. Einer der ständigen Witze, die diesen Kids niemals langweilig werden. Trotzdem fühle ich mich verkleidet. Nach einem schnellen Kaffee und einem Sambucca fahren wir zu unserem ersten Treffen am Ende der Via Ripamonti. Beppe, Teos Stiefbruder, ist heute unser Fahrer. Er gehört ebenfalls zur Gang. Sie erzählen von der vorigen Nacht, zuviel Koks, eine Schlägerei, der übliche Scheiß: Frauen, Geldschulden.
„Es ist das Koks”, erklärt Teo. „Es macht dich notgeil und vorlaut, keine gute Mischung. Deswegen habe ich die immer dabei”, fährt er fort und klopft auf die Pistole unter seinem T–Shirt. Als ich besorgt fragen will, wie die Sache ausging, fällt Beppe mir ins Wort: „Nichts Dramatisches. Wir schlagen einen von denen, die einen von uns. Dann haben wir Frieden geschlossen und sind zu mir gefahren. Wir haben bis morgens Gras geraucht und Playstation gespielt.”

16:00
Ich brauche immer noch eine Knarre, aber es ist zu früh. Es gibt eine Änderung des Plans: Wir fahren zu Beppe, um das Kokain zu präparieren, das er heute Nacht verkaufen wird. Aus seinem Keller holt Beppe eine Dose voller Kaffeebohnen und drückt mir eine davon in die Hand. Etwas ist seltsam. Sie riechen nicht nach Kaffee. Tatsächlich ist es gepresstes, reines Kokain. Beppe säubert etwa zehn der Bohnen mit Essig, dann zermahlt er sie und streckt das Kokain mit Mannit. Am Ende werden daraus 40 verkaufsfertige Päckchen. Die Prozedur dauert etwa eine halbe Stunde. Während er dabei ist, gebe ich ihm meine Bohne zurück, als ob ich dafür keine Verwendung hätte. Er fragt mich, ob sie mir nicht gefalle und ich murmele etwas von Paranoia und Schlafstörungen, und merke im gleichen Moment, dass ich soeben eine Menge Respekt eingebüßt habe. Er muss mich für einen depressiven Maranza halten. Zum Glück kommt Teo zu meiner Rettung und bürgt für mich, obwohl ich „mit dem Zeug aufgehört” habe.

Ich frage Beppe nach seinem Hintergrund und er erzählt mir gerade heraus, dass er eine Weile „richtig” im Geschäft war, doch dann lief einiges schief: „Vor 4 Jahren verkaufte ich noch im großen Stil. Immer auf der Piazza Caneva, Gras und Koks. Im „Number” Club in Brescia stellte mir ein Typ von den Corvettos seinen Cousin Tony vor, der in Kalabrien Juweliere ausraubte. Eine totale Koksnase. Um es kurz zu machen, wir wurden beste Freunde und Komplizen. Es war wild: Jede Nacht Parties, Orgien, Viagra und mehr Koks als Tony Montana. Jede Woche nahmen wir uns zwischen Piemont und Ligurien einen anderen Juwelier vor. Jede Nacht ein anderes Hotel. Wir waren ständig auf der Flucht. Er wurde ja schon gesucht und jetzt konnten wir keine zwei Nächte an einem Ort verbringen. Dann, eines schönen Tages, verschwand eine Nutte aus Venezuela mit 200 Gramm ungestrecktem Koks.”

Die nächste Stunde verbringen wir auf der Piazza und verkaufen Beppes Stoff, ein kleiner Platz bei seinem Haus, wo junge Kids mit ihren Vespas abhängen. In einer Stunde sind die 40 Päckchen weg. Bei 70 Euro pro Päckchen könnt ihr euch den Stundenlohn ausrechnen. Ich mache es lieber nicht, sonst stehe ich die nächsten zwei Monate jeden Abend dort auf dem Platz.

Bevor wir von Beppe aufbrechen, besteht er, jetzt wesentlich relaxter, darauf, mir seinen 50.000 Euro teuren Mini–S zu zeigen. „Gefällt er Dir? Für 4.000 Euro kannst du den gleichen haben, anständig, keine Probleme mit den Papieren.”

„Ziemlich einfach, was? Zu blöd, dass sie inzwischen Seriennummern auf die verdammten Schrauben machen, deshalb ist es mit Mercedes und Audi jetzt nicht mehr so leicht. Schade”, fügt Teo hinzu.

Wir fahren ins Hotel „Diana” auf ein paar Drinks. Teo stellt mir Pino vor, einen Alkoholiker aus Puglia, der seit Jahren mit der Familie Geschäfte macht. Nachdem er erfährt, dass ich Inter Mailand–Fan bin, wird er sauer. Doch wenig später ist er zu Tränen gerührt, als ich ihm ein Heiligenbildchen von Padre Pio gebe, das ich vor Ewigkeiten mal in Puglia geschenkt bekommen habe.

23:00
Wir haben noch nicht zu Abend gegessen und fahren zum Bahnhof. In einem Privatclub treffen wir Karim, einen 30–jährigen Serben, der, neben etwas Zuhälterei, auch Schusswaffen besorgen kann. Diesmal sind alle pünktlich: Der Waffenhändler, der Clubbesitzer, Pino und sein Bruder. Der Eigentümer bittet uns herein und schließt die massive Tür hinter uns. Hinter einem Kühlschrank holt er, ohne eine Miene zu verziehen, verschiedene Waffen hervor und legt sie auf den Tisch: Eine Beretta, einen Colt Python und eine .357 Magnum.

Die Seriennummern der Pistolen sind abgekratzt. Sie kosten 170, 300 und 800 Euro. Ich kaufe die günstigste, die Beretta, die Standardwaffe der Polizei. „Eine gute Waffe”, sagt Teo, um mich zu beruhigen, während er sie inspiziert. Vielleicht. Aber ich fühle mich sehr unwohl damit. Die Gewissheit, dass diese Waffe schon ein Leben genommen hat, erweckt in mir ein Gefühl von Übelkeit. Ich fühle mich jetzt nicht wirklich wie ein Mafiosi. Eher wie ein Schwindler. Plötzlich bekomme ich Angst, sie könnten herausfinden, dass ich nicht der bin, der ich behaupte zu sein. Ich bin zwar kein Polizist, aber Journalisten sind auch nicht gerade willkommen in dieser Gemeinschaft.

Je mehr ich gehen möchte, desto mehr wollen sie, dass ich bleibe, noch etwas Wein trinke, noch etwas Aubergine mit Olivenöl esse, noch eine Line ziehe. Alles auf etwa 4 Quadratmetern. Es ist lächerlich und traurig: Ich fühle mich übel, panisch, klaustrophobisch. Immerhin schaffe ich es, das Koks abzulehnen (Teo erzählt ihnen, ich hätte Herzprobleme), aber den Rest kann ich schlecht zurückweisen. Den Wein, den Grappa, Vodka, Sambucca und die ganze Zeit essen: Tomaten, Auberginen. Ich kann ihnen schlecht verraten, dass ich seit 10 Jahren trocken bin. Gegen 3 Uhr morgens verlassen wir den Club, ich bin sturzbetrunken und besitze eine Pistole. Ich habe keine Ahnung, was zur Hölle ich damit machen soll. Manchmal kotzt mich meine Neugier an.

Teo fängt an, von Karims organisierten Orgien zu erzählen und vom Tod seines besten Freundes, dem ins Gesicht geschossen wurde, weil er zuviel gesagt hat. Ich muss die ganze Zeit daran denken, wie ich die Knarre loswerden soll, die, wie mir langsam dämmert, heiß ist. Verdammt, was mache ich hier? Ich glaube, mich übergeben zu müssen. Bevor mir eine Lösung für die Pistole einfällt und während Teo mir die Geschichte seines Freundes erzählt, werde ich bewusstlos und spüre die gute Seite des Alkohols: Er lässt dich schlafen. Das hatte ich die letzten 10 trockenen Jahre ganz vergessen.

FRANCESCO SCARPELLI



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Comments:

Subject: cazzate
Date: Apr 18 2007 03:42:38 AM
Author: milo

tutte cazzate, siete patetici come i rapper che fanno i gangsta



Subject: stamu pattennu
Date: Jan 05 2007 06:41:39 AM
Author: accura

attemppu minzura sugnu ni tai
gia ce turi abbania ca lucida u feru
ma usamu cosi niki e leggeri, i trentotto
accura
ommai parrasti
ora a to storia cia cunti a san petru
mentre a famigghia continua a squagghiari petri
saluta i to parenti
essi furono



Subject: acura
Date: Jan 04 2007 02:19:34 PM
Author: Pippo suca brodo

devi stare attenzione per quelle cose che tu hai scrivuto andura.

ci sono pessone che queste cose non mi piaciono e si sono un poco siddiati per quello che tu hai scrivuto.
se appoi ti arriva a casa una testa di cavaddu in una pacco della posta sono fatti tua va cette cose anche se si sanno non si hanno scrivere pecche puoi fatti motto male,
cumpari chiddi megghiu di tia su ficcati nei pilastri di case e pilazzi va.
io questo internet me lo ha dato affio della cipolla che e siddiatu con te perche non ci po dare piu le scupette a canne mozze a quelli che tu hai scrivutu nel tuo internet.
ti dugnu uno consiglio scancella tutto e spicciti


fimmato uno amico tuo



Subject: apparte gli skerzi..
Date: Jan 03 2007 05:42:37 AM
Author: don affio..

se se...sei un pazzo davvero..
massimo rispetto per un personaggio come te..!!



Subject: apparte gli skerzi..
Date: Jan 03 2007 05:42:33 AM
Author: don affio..

se se...sei un pazzo davvero..
massimo rispetto per un personaggio come te..!!



Subject: la mafia non perdona!!
Date: Jan 03 2007 05:38:12 AM
Author: don'affiu

m'bare...hai disonorato la famiglia...
sei riuscito a trovare la fiducia in persone che fiducia ne tengono poca! e tu..ke fai sputtani in giro i nostri affari???
si iu fussi in tia..dummissi ku n'okkiu appettu e unu kiusu..!!!



Subject: la mafia non perdona!!
Date: Jan 03 2007 05:37:04 AM
Author: don'affiu

m'bare...hai disonorato la famiglia...
sei riuscito a trovare la fiducia in persone che fiducia ne tengono poca! e tu..ke fai sputtani in giro i nostri affari???
si iu fussi in tia..dummissi ku n'okkiu appettu e unu kiusu..!!!



Subject: un pazzo!!!
Date: Jan 03 2007 05:35:22 AM
Author: sarocps

sei un capo!!!
hai rischiato un botto per un articolo...........
massimo rispetto e ottimo articolo



Subject: ---------
Date: Jun 24 2006 03:37:06 PM
Author: keiz

the journalist is a pussy...
prossima volta te lo faccio fare io un giro per milano... :)



Subject: scusate...
Date: May 02 2006 06:40:03 AM
Author: spada

vorrei conoscere questa gente la malavita mi ha sempre affascinato...come fate voi ad avere tutte ste conoscenze e io neanche mezza?



Subject: FAME CHIMICA
Date: Jan 12 2006 06:53:54 AM
Author: spudder

Ma leo è il tipo che ha lavorato nel film fame chimica?



Subject: 4000 euro for a mini
Date: Dec 22 2005 04:07:55 PM
Author: Marlboro man

You got this guys number?



Subject: What happned when he was sleepinh
Date: Dec 16 2005 10:28:09 AM
Author: Hamster

I bet he was bitch fucked while he was sleeping!



Subject: nasty boyz
Date: Dec 16 2005 09:27:55 AM
Author: uncle tim

what an unsavoury bunch! i wouldn't like to meet them up a dark alley.



Subject: -ihih..
Date: Dec 12 2005 05:17:51 AM
Author: Jonirs

a fuckin wimp. totally, come to my place and ill show u real gangstersshiiht..



Subject: -----------
Date: Dec 01 2005 08:25:34 AM
Author: AM

This journalist is a pussy!



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