| Photo von June Sprig. Illustrationen von Johnny Ryan. |

Echte Horrorfans sind Nerds, die nur auf eines aus sind: Rache. Während des ganzen Films drücken wir unseren Lieblingsbösewichtern die Daumen, weil wir WOLLEN, dass Unschuldige gefoltert und ermordet werden. Das ist doch der Spaß bei der Sache. Deshalb sind die Opfer in Metzelstreifen ja immer diese geleckten Footballspieler mit ihren umwerfend gut aussehenden Freundinnen. Das sind nämlich genau die Leute, von denen wir Horrorfans auf dem Schulhof immer verprügelt worden sind.
Um einen wirklich zufrieden stellenden Horrorfilm zu drehen, der diese Bezeichnung auch verdient, braucht man folgende Zutaten: 1. eine zweistellige Anzahl an Todesopfern; 2. einen Plot, der so dünn ist wie Papier, und sich im Wesentlichen darin erschöpft, dass die Figuren von einem gottverlassenen Schauplatz zum nächsten gejagt werden; 3. Tode, die sich lang hinziehen, und uns Sadisten ein wenig Unterhaltung bieten; 4. einen übermenschlichen Mörder, auf dessen jeden Axthieb, jeden Stich mit dem Schraubenzieher, und jeden Schwung der Kettensäge man seine Frustration und seinen Hass auf die normale Gesellschaft projizieren kann.
Wir haben uns die Aufgabe gestellt zu ermitteln, welcher Slasher-Held der Beste ist. Alte Männer, wie Dracula und Frankenstein, waren von der Wahl ausgeschlossen, ebenso Damien von Das Omen. Schließlich ist er der wiedergeborene Teufel, was den ganzen Wettbewerb ja ein bisschen unfair beeinflussen würde. The Evil Dead zählen nicht, weil es mehrere Personen sind, das gleiche gilt für alle Cannibal Apocalypse und Cannibal Holocaust-Filme. Der New York Ripper und der Typ aus Toolbox Murders (deutscher Titel: Der Bohrmaschinenkiller) sind disqualifiziert, weil es von ihnen jeweils nur einen Film gibt.
Das Regelbuch mit unseren verschwitzten Händen fest umklammernd, baten wir Jörg Buttgereit, Regisseur von Nekromantik, und den Hauptdarsteller von Halloween II und III, Dick Warlock, uns bei der schweren Entscheidung unter die Arme zu greifen.
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FREDDY KRUEGER, DER
BASTARD-SOHN ZEHNTAUSENDER GEISTESKRANKER
Freddy wurde von Wes Craven nach einem Schulkollegen benannt, der ihn früher auf dem Pausenhof ständig schikanierte. Krueger mag ja einige höchst erfinderische Methoden drauf haben, dickbrüstige Frauen auszuweiden, aber vor kurzem wurde er im Film Freddy vs. Jason bei einem Kampf mit Jason Voorhees von diesem besiegt und enthauptet. Wir sprachen mit Horrorlegende Dick Warlock (siehe unten), und er meint: „Zunächst einmal muss man sich bewusst machen, dass Freddy ein Traum ist. Er kann jederzeit und überall auftauchen. Also ist es kein wirklich fairer Kampf.” Hmm.
Jörg Buttgereit meint: Im ersten Film hat das gut funktioniert, aber dann versagt er kläglich. Der König der Kinderschänder war Albert Fish, und Freddy ist irgendwie nur ein Mainstream-Abklatsch, der versucht, Kinder in ihren Alpträumen zu ficken.” Bah.
Horror-Rating: 6
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MICHAEL MYERS,
DER UNHEIMLICHE BRUDER
Mikes Gruselfaktor wird erheblich vermindert, wenn man feststellt, dass seine Maske, warum auch immer, tatsächlich ein exakter Abguss von William Shatners Gesicht ist. Oder macht ihn das noch furchterregender? Ein anderer Grund, warum Mike nicht wirklich der heißeste Kandidat für unsere Horror-Krone ist, kommt von Dick Warlock selbst: „Das einzige, woran ich bei der Rolle gedacht habe, war der Gagenscheck, den ich am Ende jeder Woche bekam,” bekannte er in unserem Gespräch. Schon ein bisschen enttäuschend, oder? Freddy mag ja ein mieser Pädophiler gewesen sein, wenigstens hat Robert Englund dieser Rolle aber sein ganzes Leben gewidmet.
Jörg meint: „Ich glaube, dass Carpenter Angst hatte, uns einen normalen Mörder zu zeigen. Deswegen ist er auf die Idee mit dieser ausdruckslosen, blanken Maske gekommen, in der sich die Furcht der Leute spiegeln soll, oder was auch immer.”
Horror-Rating: 6.3
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LEATHERFACE, DAS TEXANISCHE MUTTERSÖHNCHEN
Hat jemand das Remake von Texas Chainsaw Massacre gesehen? Man hätte es auch Jessica Biels Tittensägen Arschacker nennen können. Du liebe Güte, war das ein mieser Film. Das kostet Tobe Hoopers und Kim Henkels Schöpfung ein paar Punkte. Und das, obwohl das ledergesichtige Muttersöhnchen bei all seiner schürzentragenden Farmersjungenseeligkeit auf Ed Gein basiert, einem der übelsten Serienmörder ever.
Jörg meint: „Ich liebe diese Figur. Meiner Ansicht nach ist es vielleicht sogar die Beste von allen. Leatherface ist der klassische ultra-notgeile Redneck, der versucht, Mädchen mit seinem Kettensägen-Schwanz zu ficken.” Aaaaalles klar.
Horror-Rating: 7
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MEGAN MCNEIL,
GEFÄSS FÜR DÄMONEN
Laut Chas Balun vom Deep Red Magazine ist Der Exorzist der furchterregendste Film aller Zeiten. Wenn es aber zu einer Schlacht der großen Kerle kommt, wie soll ein kleines Mädchen, und mag sie noch sehr vom Teufel besessen sein, da je gewinnen? Sie wird ganz böse Sachen über ihre Mutter sagen und das Zimmer völlig eineisen? Na toll. Die großen Kerle hassen ihre Mütter sowieso schon. Sie kann eigentlich höchstens hoffen, gegen normale Leute wie uns zu gewinnen.
Jörg meint: „Linda Blair ist das perfekte Beispiel für ein Kind, das ausflippt, weil seine Hippie-Eltern immer Angst davor hatten, als uncool dazustehen. Der Exorzist schildert auf eine sehr gescheite Art und Weise die Ängste dieser Flower-Power Generation: rebellische Kinder, die Geheimnisse und Antworten haben.”
Horror-Rating: 5
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CHUCKY, DIE KITSCHIGE
TEUFELSPUPPE
Dieses leicht schwuchtelig wirkende kleine Miststück mit seinem adretten Streifenhemdchen würde man keines zweiten Blickes würdigen, wenn man es im Zimmer seiner kleinen Schwester herumliegen sähe. Wenn man dann aber die Filme sieht, und bedenkt, dass die beiden kleinen Bastarde, die in Liverpool den dreijährigen James Bulger ermordeten, sich praktisch rund um die Uhr Filme aus der Childs Play Reihe reingezogen haben, dann bekommt das schon einen deutlich böseren Unterton.
Jörg meint: „Der Film stammt aus der Zeit, in der in den Medien laufend darüber berichtet wurde, dass Videospiele und Gewalt im Fernsehen unsere Kinder in kleine Psychopathen verwandeln.”
Horror-Rating: 8.4
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CARRIE, KÖNIGIN DES PMS
Sie hat in der Nacht des Abschlussballs ihre ganze verdammte Schule um die Ecke gebracht. Wenn man diesen Wahnsinn mit der tödlichen Kraft der Telekinese zusammenbringt, ist ein Blutbad vorprogrammiert. Damit setzt sie sich eigentlich schon an die Spitze unserer Liste. Selbst die erstaunlich grauenhafte NuMetal-Goth Fortsetzung aus den 90er Jahren führt hier nicht zum Punktabzug.
Jörg meint: „Carrie ist ein Loser. Nicht einmal mit den Cheerleadern kommt sie zurande. Ich sehe den ganzen Film als einen riesigen Fick. Carrie wird metaphorisch von John Travolta gefickt, als er dieses ganze Blut auf ihr weißes Kleid tropfen lässt. Bei Carrie geht es vor allem um sexuelle Freiheit und erste Erfahrungen, was normalerweise eher in Vampirfilmen eine Rolle spielt.”
Horror-Rating: 8.9
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JASON VOORHEES,
DIE PLAGE VON CRYSTAL LAKE
Es hat bis zum Teil 3 gedauert, bis Jason seine Maske bekam. Davor war er nur irgend so ein Freak mit einem Sack auf dem Kopf. Die Idee für die Maske und Jasons zerstörtes Gesicht kam von der Horror FX- und Make-up Legende Tom Savini und vom Schöpfer der Figur, Ron Kurz. In Jason X verwandelte er sich in einen metall-gepanzerten Marsmenschen, und mit seinem ersten Streich im Film Jason vs. Freddy lieferte er den bösesten Mord ab, den man je in einem Slasher-Film gesehen hat. Seine Brutalität ist maßlos.
Jörg meint: „Er ist eine sehr dumme Figur: ein konservativer Rechtsradikaler, der junge Paare zerhackt, die Sex haben möchten. Er bestraft sie für die Freiheit, die sie haben. Meiner Meinung nach ist er unter all diesen Figuren der Böseste”.
Okay Jörg, aber nach Ansicht unseres Mannes Dick Warlock „machen sich von all den hier genannten Figuren nur Jason und ich (Michael Myers) den Titel streitig. Wenn Michael physisch auch weiterhin so wächst, hat er gute Chancen. Andernfalls wird ihm Jason, so groß, wie er ist, den Arsch versohlen.”
Horror-Rating: 9
ERGEBNIS: JASON vs. CARRIE
Der Kampf um die Filmrechte kann beginnen.
JÖRG BUTTGEREIT UND ANDY CAPPER
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