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Ist der Witz hier gut genug, um ein Grab zu entehren? Photo von Anita Crapper





Neulich hing in unserem Treppenhaus ein Zettel, auf dem der Hausgemeinschaft mitgeteilt wurde, dass eine der Mitmieterinnen gestorben war. Es war eine offene Einladung an alle Nachbarn, sich zu versammeln und „ihr Leben mit Geschichten, Musik und Gebeten zu feiern”. Zum kotzen. Wann eigentlich ist aus dem Tod ein derartiges Hippie-Fest geworden? Wenn ich sterbe, möchte ich, dass meine Beerdigung eine ernsthaft Angst einflößende Angelegenheit wird. Denn das ist es doch schließlich, worum es bei einer Beerdigung geht, oder? Wo ist das Grauen geblieben? Das Folgende ist ein rechtlich bindendes Dokument. Im Falle meines Todes möchte ich, dass alles genau so abläuft, wie unten beschrieben. Kein Lachen. Keine Feier. Nur Angst und Schreie. Meine Anweisungen:

Das Begräbnis soll nachts um 11 Uhr in einem alten, heruntergewirtschafteten, vorzugsweise nur schwach beleuchteten und schwer zu findenden Beerdigungsinstitut beginnen. Sich im Dunklen zu verirren, das ist doch ein guter Start in eine furchterregende Nacht. Das Bestattungshaus sollte kalt und staubig sein, als einzige Lichtquelle sollen von Spinnenweben umhüllte Kandelaber dienen. Was die Musik angeht: Da denke ich an eine laute Orgel, auf der dieses eine dramatische Stück gespielt wird, das so nach Spukschloss klingt. Ihr wisst schon Bescheid. Noch mal, es soll laut gespielt werden. Wir werden einen Zeremonienmeister brauchen, der den Ablauf des Abends dirigiert, vorzugsweise einen knochigen alten Mann mit eingesunkenen Augen. Er soll einen altmodischen Anzug mit einer schwarzen Nelke im Knopfloch tragen. Mit einer Laterne in der Hand wird er die Gäste an der Tür empfangen. Langsam, mit hohler Stimme soll er sie mit den folgenden Worten begrüßen: „Willkommen. Treten Sie ein, den Leichnam zu betrachten.”

Wenn sich alle gesetzt haben, soll der Gastgeber die knarrenden Türen schließen, und sich mühsam zum Podium im vorderen Teil des Raumes schleppen. Auf jedem Sitz wird ein dickes Programmheft liegen, die Worte allerdings werden in einer nicht zu entziffernden, vage mittelalterlich aussehenden Kalligrafie gedruckt sein. Genau vor dem Podium wird mein Sarg aufgebahrt sein. Ich dachte da an eine Kiste aus Pinienholz, allerdings nicht rechteckig, sondern in etwa so geformt wie der Umriss eines Körpers. Hinter dem Podium an der Stirnseite des Raums soll ein Portrait von mir aufgestellt werden, das mich in einer ernsten, würdevollen Pose darstellt. Wenn der Zeremonienmeister nun zu sprechen beginnt, werden wir ein paar Special Effects brauchen. Erst Donner und Blitze, dann gehen alle Lichter aus. Anschließend Sound Effects: ein gellender Schrei. Wenn die Blitze ihr Licht auf mein Portrait werfen, soll man darauf nicht mehr mich erkennen, sondern ein Skelett, dem—wie der Medusa—Schlangen aus dem Schädel wachsen. Sobald es aufhört zu blitzen, sollte dort, so als wäre nichts gewesen, wieder mein normales Portrait stehen. Wie cool wäre das denn? Zu diesem Zeitpunkt kommt der Fahrer des Leichenwagens mit einem Zylinderhut herein, um zu verkünden, dass es Zeit sei, zum Friedhof zu gehen. Dabei soll er die folgenden Worte benutzen: „Es ist nun an der Zeit, zum Totenacker zu schreiten. Folgen Sie mir.” Als Sargträger engagieren wir ein paar finster aussehende alte Männer. Sie schleppen meinen Sarg zum Leichenwagen, der vorzugsweise eine riesige schwarze Karre aus den 70ern sein soll. Das Lied für diesen Teil soll diese alte Begräbnis-Nummer sein, die in Zeichentrickfilmen immer bei besonders verhängnisvollen Situationen gespielt wird. Ihr wisst schon: „dum dum ta dum”, usw... Ich wünsche mir, dass die Prozession zum Friedhof langsam vonstatten geht, und ermutige die Teilnehmer, möglicherweise den Wegesrand säumende Schaulustige durch anhaltendes, unheimliches Anstarren in Angst und Schrecken zu versetzen.

Meine Grabstelle wird schon bereitet sein. Mein Grabstein soll ein dünnes verwittertes Etwas sein, das im schiefen Winkel aus der Erde ragt. Unweit soll ein buckliger Totengräber herumlungern. Mit Seilen senken die Sargträger den Sarg nun in das Grab hinab, lassen ihn aber mit einer solchen Wucht fallen, dass der Deckel aufbricht. Erst jetzt sieht man, dass der Sarg in Wirklichkeit leer ist. Der Zeremonienmeister schreit auf: „Wo ist der Leichnam?”, was als Stichwort für den letzten Sound Effect dient: ein weiterer schreckenerregender Schrei. Darauf folgt die feierliche „Freilassung der Fledermäuse”, in deren Verlauf 13 Fledermäuse aus einer Schachtel in den Nachthimmel entlassen werden.

Damit endet meine Beisetzung. Auf diese Weise können sich die Gäste mit einigen Fragen auf den Heimweg machen. „Wer war dieser düstere Gastgeber? Warum wurden keine kleinen Anekdoten über Fred ausgetauscht? Was stand da in unseren Programmheften? Wo ist denn jetzt seine Leiche? Wer hat das hier eigentlich alles bezahlt?”.

Vielen Dank im Voraus für die Mithilfe!

FRED ARMISEN



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killercurtain, on Oct 13 2008 11:46:03 AM wrote:
ja, verdammt, für so ein begräbnis lohnte sich noch das beschissenste leben.


Subject: f
Date: Nov 28 2005 11:23:51 AM
Author: d

langweilig!



Subject: jaha
Date: Oct 29 2005 07:53:24 AM
Author: wayne

endlich mal ein guter in deutsch verfasster artikel. weiter so!
leider muss dein testament jedoch handschriftlich abgefasst werden um rechtswirksam zu werden!



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