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DOS & DON'TS









Silent Night, Deadly Night. Copyright Slayride Productions.





Dr. Howard C. Adelman ist Pathologe, und berät in dieser Eigenschaft die Polizei, Privatdetektive und örtliche Leichenbestatter. Für jeden Horror- und True Crime Film-Fan ist er darüber hinaus eine lebende Legende: Als einer der leitenden Gerichtsmediziner war er 1977 mit dem Fall der Amityville-Morde auf Long Island betraut. In einer Nacht wurden dort 6 Menschen von einem Familienmitglied umgebracht. Eine Geschichte, die seitdem immer mal wieder in Romanen und Filmen verwurstet wird. Zusammen mit der Polizei war Adelmann einer der ersten Ermittler am Tatort.

Wir haben ihm ein paar Metzelszenen aus Kult-Slasherfilmen gezeigt, und wollten von ihm wissen: „Ist das jetzt Bullshit, oder wie sieht das aus?

Film: Freitag, der 13.
Methode: Axt in den Schädel
Dr. Adelman: „Das ist auf jeden Fall möglich. Mit einem sauberen Hieb kann man eine Axt schon voll in einen Kopf hineinschlagen. Üblicherweise wird es allerdings mehr als einen Anlauf erfordern. In diesem Fall wird das Opfer versuchen, sich gegen den Angriff zu verteidigen, und es kommt zu entsprechenden Abwehrverletzungen an den Armen. Wenn dich aber jemand überraschend erwischt, und dabei voll ausholt, dann kann so etwas passieren. Die Haut ist relativ elastisch, das heißt, dass man da fast genauso schwer durchkommt wie durch Knochen. Eine Verletzung wie diese, die ja fast unrealistisch sauber aussieht, ist tatsächlich durchaus machbar. Die Kopfhaut und die Stirn sind sehr reich an Blutgefäßen. Selbst bei der kleinsten Wunde kommt es daher zu einer starken Blutung. Für den ersten Hieb ist die Menge an Blut, die wir sehen, durchaus angemessen. Da der vordere Teil des Gehirns nicht lebensnotwendig ist, würde der Tod hier nicht sofort eintreten. Unbehandelt würde sie verbluten. Außerdem könnte sie noch einige Zeit mit der Axt im Kopf bei Bewusstsein geblieben sein.”
Bullshit-Faktor: Niedrig. Es könnte dir oder deinen Lieben passieren.

Film: Mit Motorsägen spaßt man nicht, aka: Hollywood Chainsaw Hookers
Methode: Kettensäge in den Bauch
„Wenn die Kettensäge den Magen des Opfers erwischt hätte, würde ihr Darminhalt herausgeschossen kommen. Die Mörderin würde mit Salzsäure bespritzt werden und sich Verätzungen zuziehen. Danach sieht es hier nicht aus. Das kann allerdings auch davon abhängen, wann das Opfer zum letzten Mal gegessen hat. Wenn es schon etwas länger her ist, ist auch weniger Säure vorhanden. Ganz bestimmt würde die Mörderin mit Fäkalien und halbverdauter Nahrung überzogen werden. Wir haben es hier mit einer ziemlich akkuraten Darstellung zu tun.”
Bullshit-Faktor: Schockierend niedrig. Das ist realistisch.

Film: Das Böse—Phantasm
Methode: Stacheliger Metallball mit Bohrer zwischen die Augen
„Das ist verdammt viel Blut. Ich glaube nicht, dass es so eine Waffe gibt. Ich sage mal: Das ist totaler Unfug. Das Auge würde sich, wenn sich etwas hindurchbohrt, einfach verflüssigen. Es würde nicht so viel Blut herausspritzen. Anstatt dessen würde eine flüssige und viskose, jedenfalls aber durchsichtig-farblose Masse auslaufen.”
Bullshit-Faktor: Du lügst, Phantasm.

Film: Chucky und seine Braut,
aka: Bride of Chucky

Methode: Tod durch Fernseher in der Badewanne
„Ein elektrischer Schlag bewirkt im Wesentlichen, dass das Herz aufhört zu schlagen. Das passiert augenblicklich. Außerdem entstehen dort, wo der Strom in den Körper eindringt, Verbrennungen dritten Grades. Die Leute zappeln tatsächlich so herum wenn sie einen Schlag bekommen, das liegt an den vielen Muskelkontraktionen. Der Tod kann innerhalb von Sekunden eintreten, manchmal dauert es auch eine Weile, das kommt auf die Höhe der elektrischen Spannung an. Nur eines erscheint mir hier unrealistisch: Sie würde nicht so schreien. Sie wäre ohnmächtig.”
Bullshit-Faktor: Halb und halb.

Film: Hellraiser—Das Tor zur Hölle
Methode: Hammer ins Gesicht
„Auch hier, bei einem Angriff mit einem Hammer, würden wir im Zweifel Abwehrverletzungen vorfinden. Das Blut ist an der falschen Stelle. Wenn sie ihm ins Gesicht geschlagen hat, hätte sie ihn aller Wahrscheinlichkeit an der Nase erwischt, die ja hervorsteht. Sie hätte ihm die Nase gebrochen, und diese würde bluten. Üblicherweise beißt man sich die Zunge ab, wenn man derart ins Gesicht getroffen wird. Auch das blutet stark. Oft reißen bei einem solchen Schlag die kleinen, Frenula genannten Bändchen an der Ober- und Unterlippe. Das würde jedoch nicht eine solche Blutung verursachen. Was den Schlag auf den Hinterkopf betrifft, so würde man wohl den Einschlag des Hammers auf der Rückseite des Schädels sehen. Dort würde ein mit der Tatwaffe korrespondierender Abdruck zurückbleiben.”
Bullshit-Faktor: Hellraiser = höllisch übertrieben.

Film: Ab in die Ewigkeit, aka:
Happy Birthday to Me
Methode: Gewicht auf den Unterleib und voll beladene Hantel auf den Hals
„In diesem Fall würde kein Blut fließen, auch wenn hier eine große Fontäne zu sehen ist. Bei einer Autopsie würde man innere Verletzungen feststellen, insbesondere an der Leber, wegen des Gewichtes, das man dem Opfer auf den Unterleib hat fallen lassen. Es ist unwahrscheinlich, dass das Gewicht, das auf den Hals fällt, die Haut durchstoßen würde. Der Hals- Rachenraum wäre schwer verletzt, sodass ein Ersticken als wahrscheinlichste Todesursache in Frage kommt. Hierbei tritt der Tod nach etwa ein bis zwei Minuten ein. Auch möglich wäre, dass der Tod durch die inneren Verletzungen und die dadurch bedingten inneren Blutungen im Unterleibsbereich herbeigeführt wird. Die Blutfontäne, die wir in dieser Szene sehen, ist allerdings total unrealistisch.”
Bullshit-Faktor: Richtig richtig hoch.

Film: Stille Nacht, Horror Nacht,
aka: Silent Night, Deadly Night
Methode: Aufspießen auf ein Geweih
„Sie stirbt sofort, obwohl das in einem solchen Fall sicherlich nicht so schnell vonstatten gehen würde. Der Tod durch Pfählen ist selten eine schnelle Sache. Vlad Tepes etwa, das geschichtliche Vorbild für die Figur des Grafen Dracula, fand großes Vergnügen daran, dass sich das Leiden der von ihm gepfählten Opfer oft über Tage hinzog. Der Tod durch Pfählung ist nur dann schnell, wenn das Herz oder die Hauptschlagader durchstoßen wird. Der Killer müsste unmenschliche Kräfte aufbringen, um sein Opfer erst über den Kopf zu heben, und es dann gemächlich auf eine Geweihtrophäe aufzuspießen.”
Bullshit-Faktor: Hoch. So läuft das nicht.

Film: Nightmare—Mörderische Träume, aka: A Nightmare on Elm Street
Methode: Erhängen mit einem Bettlaken
„Beim Erhängen gibt es im Wesentlichen zwei mögliche Todesursachen. Die erste ist die Strangulierung. Der Tod tritt dabei nicht sofort ein, deswegen passiert es, dass der Sterbende sich noch eine ganze Weile windet und herumzappelt, bevor es zu Ende geht. Die zweite mögliche Todesursache ist eine innere Enthauptung. Wenn eine gewisse Fallhöhe vorhanden ist, zerbricht durch die Kraft des Körpergewichts das Rückgrat. Die Haut reißt nicht, aber die Wirbelsäule wird auseinander gezogen. Die Fallhöhe des Opfers hier reicht dafür bei weitem nicht aus. Trotzdem stirbt er recht schnell, was einfach nicht mit dem typischen Todesverlauf bei einer Strangulierung übereinstimmt.”
Bullshit-Faktor: Auf keinen Fall, Alter.

Film: Amityville—Das Böse stirbt nie, aka: The Amityville Horror
Methode: Kopfschuss mit der Schrotflinte
„In diesem Fall sind 6 Menschen umgebracht worden. Jedes Schlafzimmer war ein Tatort für sich. Das echte Rätsel hier, das nach meiner Auffassung nie geklärt wurde, ist, dass—bis auf das eine Mädchen, dem ins Gesicht geschossen wurd—alle Opfer in einer sehr ähnlichen Körperhaltung getötet wurden. Sie lagen alle auf dem Bauch. Es soll ja nur einen Täter gegeben haben. Unser Ballistiker sagte mir, dass ein Gewehr vom Typ der Tatwaffe beim Schuss ungefähr soviel Lärm macht wie eine Haubitze. Dennoch scheint niemand aufgeweckt oder alarmiert worden zu sein, als der Täter durch die Schlafzimmer ging. Sehr seltsam. Es gab da eine Theorie, dass die Opfer vorher unter Drogen gesetzt worden seien, die Ergebnisse unserer toxikologischen Untersuchungen haben das jedoch ausgeschlossen. Ich habe so meine Zweifel an der allgemein akzeptierten Schlussfolgerung, Ronald DeFeo habe als Alleintäter gehandelt. Es gab auch nirgendwo am Tatort Spuren einer gewaltsamen Auseinandersetzung. In einem der Schlafzimmer lag sogar noch ein teilweise fertig gestelltes Puzzlespiel auf einem Tisch, das durch jeden noch so zaghaften Kampf durcheinander gebracht worden wäre.”
Bullshit-Faktor: Das ist wirklich passiert. Er hat es mit eigenen Augen gesehen.


HOWARD ADELMAN & VICE STAFF