Paradise Lost:
The Child Murders at Robin Hood Hills/Revelations Paradise Lost 2
Warp Films
Berlinger und Sinofsky (Brother’s Keeper, Some Kind of Monster) erzählen die Geschichte von drei Kindern, die 1993 in Arkansas brutal ermordet gefunden wurden, der drei Teenager, die man dafür verantwortlich gemacht hat, ihrer Anklage und Verurteilung, sowie der Folgen des mehr als dubiosen Prozesses. Außerdem ist diese Dokumentation ein bissiges Portrait des White Trash der Amerikanischen Südstaaten und der Rolle der Medien, die die Teenager vorverurteilt haben, indem sie ihnen schwule Orgien und Teufelsanbetung nachgesagt haben. Die erste Dvd ist ein Satanspanik-Gerichtsdrama, das seine Subjektivität durch einen klaren Standpunkt erhält. Schmerzlich aufschlussreich, ehrlich und roh, wie der Moment, als du deiner Freundin das erste Mal beim Kacken zugesehen hast. Die zweite Dvd ist die Fortsetzung sechs Jahre danach, in der eine Gruppe von Leuten, inspiriert durch die erste Dokumentation, die brutale Geschichte der Robin Hood Hills hinterfragt, aktualisiert und provokante Fakten aufdeckt, zum Beispiel, dass einer der verurteilten Teenager ein verdammter Vollidiot war, der wahrscheinlich zu einem Geständnis gezwungen wurde oder dass niemals physische Beweise gefunden wurden. Dieses Doppel-Dvd-Release wird dich gehörig in die Hosen scheißen lassen.
THOR MÜLLER
Das Große Fressen
Kinowelt / Arthaus
So lässt man sich französisches Kunstkino gefallen: In dem „Schocker aus Paris” (damalige Verleihschlagzeile) ziehen sich vier wohlhabende Männer, dargestellt von den Schauspieltitanen Piccoli, Mastroianni, Tognazzi und Noiret, in eine prunkvolle Villa zurück, um sich dort gepflegt zu Tode zu fressen und zu ficken. So sah anno 1973 überdeutliche Konsumkritik aus dem Land der Feinschmecker aus. Marco Ferreris cineastische Orgie war vor 30 Jahren ein absoluter Dauerbrenner in den Programmkinos, hatte aber auch genügend Sexploitation-Potential um die Raincoatcrowd in den damals noch existierenden schmierigen Bahnhofskinos zu befriedigen. Gerade deshalb wurde La Grande Bouffe vom Feuilleton kontrovers diskutiert. Jetzt liegt das Prachtstück endlich auf DVD vor, und es macht auch heute noch einen Heidenspaß, den in stillosen 70er Jahre Klamotten gekleideten, werten Herren Picolli und Mastroianni dabei zuzusehen, wie sie im Namen der Kunst buchstäblich die Sau rauslassen dürfen. Piccoli stirbt übrigens den deftigsten Tod. Nach heftigen Blähungen explodiert ihm sein Gedärm. Im französischen Originalton, also in der Sprache der Liebe, wirkt das pikante Machwerk übrigens weniger vulgär. Als Extras gibt es leider nur einen reißerischen zeitgenössischen Trailer und ein aktuelles Interview mit der Darstellerin Andrea Ferreol, die damals ihren fetten Arsch in eine Sahnetorte setzten durfte.
JÖRG BUTTGEREIT