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DOS & DON'TS
















Ende der 70er Jahre fand das Meta-Musik-Festival in Berlin statt. Das experimentierfreudige Spektakel wurde auf der Erdgeschossebene der Neuen Nationalgalerie veranstaltet und Musiker aus Asien, Afrika und Europa präsentierten ihre Sphärenklänge.

In indische Tücher gehüllt, trat Terry Riley auf die Bühne, setzte sich im Schneidersitz hinter seinen Synthesizer. Nach 20 Minuten hatte ich das erste Mal die Empfindung, dass er mit dem Publikum spielte, suggerierte, denn es gab immer wieder Momente, in denen viele unruhig waren, sich räkelten, husteten, dann wieder absolute Stille und Konzentration. Dabei beobachtete Terry Riley seine Zuhörer unentwegt und mir schien es, dass er seine Klänge diesen Eindrücken anpasste, improvisierte.

So hatte ich gegen Ende des Konzertes eine Erscheinung: Ein Kerl, wie aus Aladin und die Wunderlampe, stand über mir, mit Turban, Pumphose und Bauchgürtel, riesengroß. Während ich unten am Boden saß, streckte er seine Arme von weit oben mir entgegen und deutete mir an aufzustehen. Aufstehen? Jetzt? Hier in der Menge? Ich sträubte mich. Doch er verschwand nicht und bohrte weiter, forderte mich unentwegt auf, doch mein Schamgefühl, den Kasper in der Menge darzustellen, war größer. Trotzig und mit verschränkten Armen blieb ich sitzen. Und über diesen konzentrierten Kampf mit meinem Gegenspieler, erwachte ich aus der Trance, in die mich Terry Riley versetzt hatte, öffnete meine Augen und sah mich um: Exakt in diesem Moment standen dort am Rand, in der Mitte und ganz vorne einzelne Personen auf, suchten sich ihren Weg durch die Menge und verließen die Nationalgalerie durch eine Drehtür am Ausgang. In diesem Augenblick war das Konzert zu Ende, Terry Riley verließ nach einer kurzen Verbeugung den Raum und die Masse reihte sich in eine lange Schlange, die sich vor der Drehtür aufstellte und viel Zeit aufbringen musste, bis sie der Trichter wieder ins Leben zurückspuckte.

Der Beweis war überdeutlich: Dass genau in dem Moment, in dem die Erscheinung verschwindet, einige Leute gleichzeitig aufstehen und das Konzert verlassen, ohne den Ausgang des Konzerts vorherzusehen. Nichts hat mich bisher in meinem Leben mehr beeindruckt, als dieses telepathische Erlebnis, diese Erfahrung, das Wissen: Es gibt eine Sphäre über unserem Alltag, es gibt eine Energie, die uns ohne Worte verbindet, verstehen lässt, was für ein wundervolles Leben dies ist.

EUER MANN VOM PLANET TEGEL