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DOS & DON'TS













Ben Anderson wird von der BBC dafür bezahlt, mit einer Videokamera an die gefährlichsten Orte der Welt zu fahren.

Ich wurde entführt
Wir waren gerade aus dem Irak zurück und außer einer britischen Rakete, die neben uns in den Sand rauschte, hatten wir dort eigentlich keine Probleme. Alle hatten gedacht, dass der Krieg anfangen würde, während wir da waren, das war aber nicht passiert; also fuhren wir nach Damaskus und stiegen in einen Flieger nach Teheran. Ich hatte mich monatelang darauf gefreut. Ich hatte viele Stunden in Chatrooms iranischer Dissidenten verbracht und war fest davon überzeugt, dass ich die nächsten zwei Wochen damit verbringen würde, mit umwerfend aussehenden persischen Revolutionären auf eine Party nach der anderen zu gehen, wo sie ihre Kopftücher von sich werfen und die ganze Nacht lang trinken würden. Um den fünften Tag herum hatten wir arrangiert, einige der Studenten zu interviewen, die bei den berühmten Demonstrationen von 1999 dabei gewesen waren. Die Demons-trationen wurden von der religiösen Polizei und ihren Schlägern beendet, die Knüppel und Ketten einsetzten und schließlich die Schlafsäle der Studenten niederbrannten. Kurz bevor wir die Kamera anstellten, sagten mir die Studenten, dass sie nicht über die Demonstrationen sprechen wollten. Ich verbrachte eine Stunde damit, irgendetwas über die jüngere Generation der Iraner aus ihnen rauszukriegen und darüber, was sie über die regierenden Mullahs dachten, die ja im Durchschnitt um die 70 sind. Zwei Drittel der iranischen Bevölkerung sind unter 30.

Dann bekamen wir einen Anruf: „Ver-schwindet so schnell ihr könnt, einer nach dem anderen und lauft in verschiedene Richtungen.“ Aber es war zu spät. Ein riesiger bärtiger Mann kam hereingestürmt und fing an die Leute hin und her zu stoßen. Sechs bis sieben kleinere Männer standen grinsend in der Tür. Er schnappte sich meinen Pass und rief erfreut etwas auf Farsi, als er sah, dass ich nur ein Touristenvisum hatte. Er fing an, ziemlich grob meinen Assistenten zu durchsuchen, der daraufhin mit einer Bewegung auf sein Adressbuch deutete, das auf dem Tisch vor mir lag. Ich versuchte es unter einer Schale mit Früchten zu verstecken, aber erfolglos. Er riss es an sich und gab wieder einen freudigen Ausruf von sich, während er es durchlas. Ich sah mich im Raum um und die Studenten waren alle zutiefst verängstigt—sie hatten alle feuchte Augen.

Fünf der Männer—die sich nicht ausgewiesen hatten und keine Uniform trugen—brachten mich und meine Produzentin zu ihrem Auto. Sie fuhren uns stundenlang durch Teheran. Schließlich brachte man uns in unser Hotel. Sie stellten unsere Zimmer auf den Kopf und alles wurde nur noch schlimmer. Weil wir dachten, dass der Krieg im Irak losgehen würde, während wir da waren, hatten wir chemische und biologische Kampfanzüge dabei. Ich hatte meinen unten im Schrank verstaut. Wir hatten auch eine geheime Kameraausrüstung mit in den Iran gebracht. Sie hatten beides bald gefunden und beschlossen, dass wir gar keine Journalisten waren, sondern Spione. Nun gingen sie daran herausfinden, ob wir MI6, CIA oder Mossad waren.

Ein kleiner Tisch wurde ins Zimmer gebracht und ein Dolmetscher sagte mir, ich solle mich davor setzen. Fünf Stunden lang stellten sie mir Fragen und ließen mich seitenlange Geständnisse schreiben. Der Dolmetscher las dann meine Geständ-nisse vor, die alle völlig nichtssagend waren. Der bärtige Koloss sprang dann jedes Mal von meinem Bett auf und stürmte zu mir hinüber, wobei er oft den Tisch umwarf. „Boop“, schrie er mir dann ins Ohr (Farsi für Idiot), „Boop!“ Oft gab er mir dann eine Ohrfeige oder einen Knuff in den Hinterkopf, allerdings nie mit voller Kraft. Oder er strich mir über die Nase und erheiterte die anderen mit dem, was er dabei sagte.

Sie hatten auch alle Bänder gefunden, die wir schon gedreht hatten und schauten sie sich in einem gegenüberliegenden Zimmer an. Gelegentlich sah ich kurz, wie Männer hinein- und hinausgingen und diskutierten, was sie gesehen hatten. Ich musste immer daran denken, was sie alles sehen würden. Ich hatte gesagt, dass die Mullahs korrupt und reich seien und dass sie sogar ein neues islamisches Gesetz erfunden hatten, das befristete „Ehen“ erlaubte—manchmal nur für die Dauer von wenigen Stunden—damit sie mit Prostituierten schlafen können. Ich hatte gesagt, das Khomeini sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen würde.

Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass die Schläge auf den Hinterkopf heißen mussten, dass sie keine Spuren auf mir hinterlassen wollten—dass sie den Auftrag hatten, uns gut zu behandeln. Iran und Großbritannien unterhielten noch diplomatische Beziehungen. Der Produzent meiner Serie in London wusste, das irgendetwas nicht stimmte, weil er nichts mehr von uns gehört hatte und einmal bekamen wir um acht Uhr morgens, wenige Stunden nachdem eines der Verhöre vorbei war, einen Anruf, den der Hotelbesitzer zu meinem Zimmer durchstellte, während die Männer draußen waren. Ich hatte gerade genug Zeit, um dem Produzenten zu sagen, dass wir ziemlich tief in der Scheiße steckten und dass es nicht so aussah, als würden wir freigelassen werden. Wenig später waren die Männer zurück und befahlen uns, leise unsere Taschen zu packen. Der Hotelmanager sah extrem beschämt aus und ich machte mir Sorgen, dass sie das Telefonat mitgehört hatten und er nun in der Scheiße saß, weil er es zu uns durchgestellt hatte. Ich machte mir auch Sorgen, wo sie uns hinbringen würden. Auf einem der Bänder hatte ich sehr schlecht über das Evin-Gefängnis gesprochen—ein berüchtigtes Höllenloch kurz vor Teheran. Es gab Berichte über Gefangene, die in großen Räumen mit verbundenen Augen festgehalten und gezwungen wurden mit anzuhören, wie jemand anderes direkt neben ihnen gefoltert wird. Es wurde auch von Steinigungen berichtet. Der Bärtige hatte Evin ein paar mal genannt, wenn er meine Geständnisse nicht gut genug fand. Er hatte mir gesagt, dass ich nach zwei Tagen dort für den Rest des Lebens traumatisiert sein würde.

Als wir aus Teheran fuhren, erwartete ich hinter jeder Ecke das Evin-Gefängnis zu erblicken. Ich war erleichtert, als wir vor einem riesigen Botschaftsähnlichen Gebäude anhielten, trotzdem es mit Stacheldraht umgeben war und ich keine Ahnung hatte, wo wir waren.

BEN ANDERSON

CONTINUED
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