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DOS & DON'TS











Meine Mutter der Cokehead
Als ich acht war, fing meine Mut-ter an, richtig viel zu koksen. Sie war gerade von einem beschissenen Kleinstadtjob zu einem tollen Managerposten für eine große Firma in der Stadt aufgestiegen und vermutlich war das alles ein bisschen zu viel für sie. Nicht mal zwei Jahre später hatte sie sich von meinem Vater scheiden lassen und fickte in der Gegend rum, als gäb es kein Morgen. Sie lernte diesen Typen aus Norwegen kennen und sie heirateten. Beide nahmen jeden Tag tonnenweise Coke. Meine Mutter wurde auf Arbeit rausgeschmissen, weil sie einen Haufen Geld geklaut hatte. Der Norweger hatte eh noch nie Geld gehabt, also ging unser Geld schnell zu Neige und sie fingen an, alles zu verkaufen: erst den Schmuck, dann die schicken Klamotten, dann die Möbel. Am Ende hatten sie praktisch alles verkauft, also lebten wir mit je einem paar Wechselklamotten und einem Bett. Monatelang aßen wir nichts als Kartoffeln.


Dann stellten sie uns den Strom ab und wir wohnten in einer Wohnung, die wie ein mittelalterliches Schloss aussah (dachte ich zumindest, um nicht völlig durchzudrehen). Eines Tages kam ich aus der Schule zurück und merkte, dass etwa anders war. Das Haus war voller Kerzen und roch total seltsam. Meine Mutter und ihr Mann brachten mich ins Schlafzimmer und erklärten mir, dass ihnen gerade klar geworden wäre, was mit uns passierte. In ihrem völlig zugekoksten Zustand erklärten sie mir, dass sie Reinkarnationen von Jesus Christus und Sankt Michael wären und das alles ein Test von Gott war, um zu sehen, ob wir das grandiose Leben verstehen würden, das uns nach dieser harten Zeit erwartete. Dann sagten sie mir, ich solle es geheim halten, da die CIA hinter uns her wäre. Laut Jesus, a.k.a. dem Mann meiner Mutter, gab es dieses Riesenkomplott, bei dem die USA die CIA losgeschickt hatte, Jesus (also ihn) umzubringen, da er alle möglichen Staatsgeheimnisse und Verschwörungen kannte. Angeblich hatten sie überall im Haus Kameras und Mikrofone installiert und wir wurden permanent von Geheimagenten verfolgt. Sie hatten sich also entschieden, in dem Zimmer auszuharren, bis das Wunder passierte, also, bis wir durch irgendeinen Zauber gerettet werden würden.

Ich beschloss, sofort zu meinem Vater zu ziehen. Aber sie wollten mich nicht aus dem Zimmer lassen. Nach ein bisschen verbaler Gewaltanwendung, wurde Jesus und meiner Mutter klar, dass ich von Anfang an für die CIA gearbeitet hatte, also ließen sie mich unter der Bedingung gehen, dass ich sie nie wieder aufsuchen würde. So halte ich es bis heute und, von ein paar gelegentlichen Panikattacken abgesehen, geht es mir verdammt gut.

BLACKY SCHÖNBERG


Die Glasgow Brothers
Vor ca. 40 Jahren ging ich in Glas-gow mit ein paar Freunden was trinken. Als ich nach Hause kam, war mein Bruder da, rauchte und kuckte fern. Er war 22 und ich muss wohl damals so 21 gewesen sein und obwohl er ein Jahr älter war als ich, war er wesentlich kleiner. Ich musste immer seine Schlägereien für ihn austragen.

Aus irgendeinem Grund fing ich an Allan vollzunölen, ihn eine Schwuchtel zu nennen und zu tun, was ich konnte, um ihn auf die Palme zu bringen. Je mehr ich ihn nervte, desto wütender wurde er, bis er schließlich drohte, mir eine zu verpassen. Daraufhin lachte ich und sagte: „Na los, schlag zu.“ Er machte einen Schritt nach hinten, holte aus und schlug mir, so hart er konnte ins Gesicht. Ich war ziemlich besoffen, deshalb tat es nicht wirklich weh. Nachdem ich wieder aufgestanden war, lachte ich wieder und sagte ihm, dass das ja ziemlich lächerlich war. Dann stichelte ich weiter und sagte: „Komm, du kannst das besser.“ Konnte er. Diesmal rannte er auf mich zu und rannte mit der ganzen Kraft seines, leider etwas klein geratenen Körpers in mich rein und warf mich um. Ich stand auf und rollte angewidert mit den Augen. Es fing langsam an, ein bisschen weh zu tun, aber anscheinend nicht genug, denn ich sagte Allan, dass ich seinen letzten Angriff nicht mal gemerkt hätte. Also schlug er mich noch mal, diesmal auf die Nasenspitze. Ich erinnere mich nicht daran, wie sie brach und auch sonst nicht an viel von dem Abend, aber meine Schwester erzählte mir, dass es mindestens 20 Minuten lang so ging.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, klebte mein Gesicht am Kissen. Er hatte mich völlig zermatscht—ich hatte ja, ehrlich gesagt, auch drauf bestanden. Mein ganzes Gesicht war eine blutige Masse aus offenem Fleisch und verkrusteten Wunden. Beide Augen waren blau und fast komplett zugeschwollen. Meine Ohren waren voller Blut und mein Mund sah nicht mal mehr wie ein Mund aus, eher wie ein geschwollenes Loch. Scheinbar war Allan doch nicht der Schlaffi, für den ich ihn gehalten hatte.

Am selben Nachmittag war ich mit einem Mädchen verabredet, mit der ich etwas hatte (sie ist jetzt meine Frau) und ich hatte keine Ahnung, wie ich den Schaden verdecken sollte. Ich probierte es mit einer Sonnenbrille, aber das brachte nicht viel. Sie war völlig entsetzt, als sie mich sah und wollte die Beziehung auf der Stelle beenden, bis ich ihr erklärte, ich wäre von einer Gang überfallen worden. Das zog.

Später sagte ich zu Allan, dass ich ihn aus Rache umbringen würde. In Wirklichkeit wollte ich ihm gar nichts tun—ich wollte ihm nur ein bisschen Angst machen. Es war fiese mentale Quälerei, aber ich fand, dass er mich ausgenutzt hatte. Ich war ein Arschloch. Bin ich wohl immer noch.

JIM MCINNES


CONTINUED:
LA FAMILIA
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