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DOS & DON'TS













Totgelacht
Meine Urgrossmutter mütterli-cherseits wuchs Ende des 19. Jahrhunderts in einer sehr kleinen, konservativen Stadt auf. Als sie um die 16 oder 17 war, gab es da einen Typen namens Robert, der ein bisschen älter als sie war und der ihr den Hof machte—oder wie sie es damals nannten. Er war ein paar Jahre zuvor alleine in die Stadt gezogen und war Lehrling bei dem örtlichen Bestattungsunternehmen.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war es Anatomieschulen gesetzlich gestattet, an menschlichen Leichen Sektionen vorzunehmen, aber die Leichen mussten von Menschen stammen, die ihren Körper testamentarisch der Wissenschaft überschrieben hatten, oder wenn es Mittellose ohne Verwandtschaft waren.

Man kann sich vorstellen, dass solche Kleinstädte am Ende des 19. Jahrhunderts nicht gerade von toten Pennern überschwemmt wurden, an denen Medizinstudenten hätten rumdoktern können. Also passierte es immer mal wieder, dass Roberts Boss kurz vor einer Beerdigung eine kodierte Nachricht von dem Professor der Medizinischen

Fakultät bekam, in der dieser sein „tiefstes Beileid“ für die Hinterbliebenen—Zwinker, Zwinker—ausdrückte.

Nach der Beerdigung ließen sie also ganz normal den Sarg ins Grab und fingen an es zuzuschaufeln, aber sobald es dunkel wurde, schaufelten sie das Ding wieder aus, holten die Leiche aus der Kiste, packten sie in einen langen Leinensack und legten sie auf der anderen Seite des Friedhofzauns auf einem Hügel, oberhalb der Straße zur Medizinischen Fakultät ab. Daraufhin kam dann einer der Wächter der Fakultät, ein Typ namens Old Thomas, oder etwas ähnlich Herab-lassendes, mit einem Karren vorgefahren, hinterlegte am Zaun eine Tüte mit der Bezahlung und schaffte die Leiche den Berg runter in die Fakultät.

Eines Nachts beschloss Robert, nachdem er eine Leiche da hinterlegt hatte und nach Hause gegangen war (und sich wahrscheinlich auch ordentlich einen hinter die Binde gegossen hatte), sich einen kleinen Scherz zu erlauben. Er schlich zum Haus meiner Uroma, weckte sie auf und brachte sie und einen anderen Kumpel zu dem Platz, wo die Leiche lag und versprach ihnen den tollsten Narrenstreich ihres Lebens. Sein Kumpel half ihm, die Leiche aus dem Sack zu holen und sie versteckten sie im Gebüsch, dann halfen sie Robert in den Sack und legten ihn zurecht. Als Thomas kam, um die Leiche abzuholen, hielt Robert die Luft an und verhielt sich völlig still, bis er ihn aufgehoben hatte und dabei war, ihn zu der Karre zu schleppen. In dem Moment fing er an, um sich zu schlagen und sagte sowas Kitschiges wie, „Leg mich sachte nieder“, oder, „Rassel du nicht mit meinen Knochen“ In völliger Panik warf Thomas Robert den Berg runter und brach ihm beide Beine. Robert erlag eine Woche später seinen Verletzungen und Tom wurde die ganze Leichenklau-nummer angehängt und er kam in den Knast. Ach ja, die lustigen 1890er.

TED BURTON


Meine Mutter klaute meine Identität
Meine Mutter und mein Vater hatten bei ihren endlosen Streitereien vor allem zwei Themen: Sie vögelte ihn nicht genug und sie gab zu viel Geld aus. Aber in Wirklichkeit ging es hauptsächlich ums Geld. Er zerschnitt ihre Kreditkarten, also fing sie an, die Nummern auswendig zu lernen. Er zwang sie, sich einen Job zu suchen und sie machte so guten Gebrauch von ihrem Mitarbeiterrabatt, so dass ihre Ausgaben höher waren als ihr mageres Einkommen. Schließlich erblickte mein Vater den am nächsten gelegenen Notaus-stieg und griff nach dem goldenen Fallschirm der meisten Männer mittleren Alters und niederen Einkommens—einem Herzinfarkt kombiniert mit einem geringen Willen zu überleben: Er starb. Mein Bruder und ich gaben unser Erbe unserer Mutter in Verwahrung—ihr und uns zugänglich. Sie nutzte unser Geld für regelmäßige Trips zum Schönheitssalon—sie konnte das Andenken an meinen Vater ja schlecht mit ungepflegten Fingernägeln hochhalten. Sie nahm unser Geld und kaufte ein Haus mit Pool, damit das Andenken an meinen Vater sich endlich zur Ruhe setzen und schwimmen gehen konnte. Sie nahm unser Geld auch, um es seinem neuen Stiefvater vorzustellen, Alan. Und, wie es ein unsicherer Stiefvater so tut, tat Alan sein Bestes, um dieses Geld zu beeindrucken. Er nahm es mit zum Autohändler, dem Motorradladen und auf Konzerte. Er stieg aus dem Job aus, um unsere Mutter mit unserem Erbe auf exklusive Dinner auszuführen. Und kurz über lang war das Geld komplett alle.

Das Ding ist, mir war das Geld ehrlich gesagt völlig egal. Für mich war es Blutgeld—am Grabe meines Vaters verdient. Und, obwohl ich mir sicher bin, dass meine Mutter und Alan kein Recht darauf hatten, bin ich mir ebenso sicher, dass das für meinen Bruder und mich genauso galt. Aber ich glaube schon, dass wir ein Recht auf unsere Identität hatten.

Nachdem Mom je 100.000 Euro von dem Erbe ihrer beiden Söhne verbraten hatte, begann sie mit unserem Dispo zu flirten. Sie ließ sich eine Karte in meinem Namen und dann eine auf meinen Bruder ausstellen. Dann holte sie sich noch ein paar mehr. Sie versäumte eine Rückzahlung und dann noch eine. Sie wusste natürlich unsere Namen, Geburtstage und Sozialver-sicherungsnummern. Sie fälschte Adressen und Unterschriften und richtete in unseren Finanzen so ein Chaos an, dass wir, als wir den Betrug aufdeckten, bereits 50% Zinsen auf Käufe von vor über fünf Jahren zahlten.

Ich erfuhr von der Abzocke erst, als mir eine Vorladung zum Gericht per Kurier überbracht wurde. Da stand: „Zahlen sie entweder ihre 20.000 Euro Schulden oder sie kommen ins Gefängnis.“ Einen Anruf bei dem Kreditinstitut später hatte ich im Schnelldurchlauf ein solides Wissen in Finanzen und Betrug erworben. Ich konfrontierte Mom damit und sie heulte und heulte. Sie ließ sich von Alan scheiden und sagte uns, es wäre alles seine Schuld. Sie beschuldigte uns, es zugelassen zu haben und sie beschuldigte meinen Vater dafür gestorben zu sein. Bis zum heutigen Tag ist die einzige Person, die noch nicht mit den Schuldzuweisungen dran war, sie selbst.

Die Ironie vieler Geschichten, die das Leben so schreibt, verlangt, dass auf jeden Höhepunkt die Antiklimax folgt. So ist sie bis zum heutigen Tag meine Mutter geblieben—ich habe den Kontakt mit ihr nicht abgebrochen. Ich muss aber sagen, dass ich ein brennendes Verlangen habe, ihr alles, was sie mir angetan hat, einmal zurückzuzahlen. Eines Tages bekomme ich hoffentlich meine Chance.

CRAIG DERSHOWITZ


CONTINUED:
LA FAMILIA
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