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DOS & DON'TS
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Vor ein paar Jahren fuhr ich mit meinen Eltern nach Kuba, obwohl ich schon fast 30 war. Eigentlich macht man das nicht, wenn man schon so alt ist. Entweder fährt man mit seinen Freunden weg oder man besucht seine Familie irgendwo auf dem Land, aber das hier war komisch. Ich fühlte mich wie einer dieser 13-Jährigen, die mit fünf Jahre jüngeren Kids Star Wars spielen (erinnert ihr euch an die armen Säcke?). Allerdings ... mir wurde bald klar, dass die einzige Möglichkeit hier Spaß zu haben darin bestand, jemanden abzuschleppen. Glücklicherweise gab es da ein ziemlich heißes Pakimädchen, die auch viel zu alt war, um dort zu sein. Wir erkannten einander sofort am Dinnerbüfett und sie sah mich mit so einem Blick an wie: „Und, was ist deine Geschichte.“ Als der Schlapp-schwanz, der ich bin, ging ich aber wieder zu Mummy und Daddy, um zu Ende zu essen. Ich hasste mich dafür und starrte die ganze Nacht an die Decke, um eine Ausrede für mein Verhalten heraufzubeschwören. Als es Tag wurde, hatte ich sie. Meine Mutter war gestorben. Wer war die Frau, die mit uns zum Dinner kam? Ähh. Sie war Dads neue Freundindas war’s. Deshalb konnte ich nicht Hi sagen. Wir sind auf dieser seltsamen Reise, wo diese komische Lady versucht meine Mutter zu ersetzen und deshalb konnte ich nicht rüberkommen und Hi sagen, aber jetzt sage ich Hi: „Hi.“ So machte ich es also und es funktionierte prima. Sie war zu Tode gelangweilt und so ein Drama über eine tote Mutter war ein toller Eisbrecher. Ich musste natürlich aufpassen, dass meine Mutter, die natürlich sehr wohl am Leben war, nie dazu kommen würde klarzustellen, dass sie in Wirklichkeit meine Mutter war und nicht irgend so ein Flittchen, das so tat, als wäre sie meine Mutter. Ich weihte meinen 14-jährigen Bruder ein und wir legten richtig los. Die ganze nächste Woche redeten wir über nichts anderes. Mein Bruder und ich redeten ständig davon, wie toll unsere Mutter war und wie sehr wir sie vermissen und das Pakimädel (sie hieß Samara) musste fast jedes Mal heulen. Einmal ging ich mit ihr spazieren (in Kuba muss man auf so einem mit Stacheldraht gesäumten Komplex bleiben und man kann maximal an der Absperrung entlang spazieren gehen) und ich erzählte ihr lang und breit, wie mein Bruder und ich damit klar kamen. Sie war nämlich etwas verwirrt darüber, wie ausgelassen mein Bruder sich verhielt, obwohl er seine Mutter erst vor eineinhalb Jahren verloren hatte. Also tischte ich ihr diesen Scheiß auf: „Mein Bruder blieb bei der Beerdigung unglaublich ruhig und sogar, als wir danach alleine waren, weinte er nicht. Monatelang weint er nicht und reagierte auch sonst in keinster Weise. Eines Tages waren wir in einer Bowlingbahn und ich bat ihn, mir eine Cola zu holen (denkt dran, das denke ich mir alles in dem Moment aus). Er kommt also zu unserer Bahn zurück und hält eine Diet-Pepsi in der Hand. Ich scheiß ihn zusammen: ‚Stra-chan, was zum Teufel ...? Ich hasse Diätdrinks. Was ist los mit dir?‘ Und er sagt: ‚Ich dachte, du hättest Diet-Pepsi gesagt.‘ Ich wurde noch wütender und erklärte ihm, dass ich das nie im Leben sagen würde. Und weißt du, was dann passierte, Samara?“ „Was?“, fragte sie mit Tränen in den Augen. „Er brach am Boden zusammen und weinte und weinte und hörte drei Tage lang nicht mehr auf. Er hatte es alles zurückgehalten und nun kam es raus wie eine Flutwelle.“ An dieser Stelle der Geschichte standen uns BEIDEN die Tränen in den Augen. Ich fing an, den Scheiß selber zu glauben. Das einzige Mal, das meine Lüge gefährdet wurde, war, als meine Mutter einmal besoffen an den Strand kam und anfing, davon zu erzählen, wie sie mir die Windeln gewechselt hat, als ich klein war. Zum Glück war sie so besoffen, dass sie sich selber ein paar Mal unterbrach und sagte: „Oder war das Strachan“, und andere seltsame Versprecher, so dass ich Samara nur ansehen und den Kopf schütteln musste, so nach dem Motto: „Traurig, he? Was für ein Psycho“, und Samara sah meine Mutter nur angewidert an. Wir wurden so gut darin, dass mein Bruder mich eines Abends zur Seite nahm und sagte, dass wir aufhören müssten. Er hatte sich dabei erwischt, wie er meine Mutter voller Verachtung angeschaut und gedacht hatte: „Halt die Schnauze, du blöde Kuh. Du bist nicht meine Mutter.“ Sehr witzig. Jedenfalls ist das der Punkt, wo die Geschichte eine 90° Wen-dung nimmt. An einem unserer letzten Abende in Kuba lief ich mit meinem Bru-der am Strand lang und er erzählte mir von seiner Freundin und was für ein Arsch ihr Stief-vater ist. Er kommandiere sie die ganze Zeit rum und täte so, als wär er ihr Vater und sagt ihr, sie solle die Musik leise machen, lässt sie keine Freunde mitbringen, lässt sie nicht woanders übernachten, etc. Nach jeder dieser Sachen, sag ich „Was für’n Arsch!“ oder „Wichser“ oder etwas anderes Passendes und dann sagt er lächelnd: „Ja, und wenn sie schlafen geht, kommt er manchmal in ihr Zimmer und greift ihr an die Titten und so’n Scheiß. Er ist so widerlich.“ An dieser Stelle blieb ich im Sand stehen und hielt meinen Bruder am Arm fest, um ihm den Unterschied zwischen „Arschloch“ und „Vergewaltiger“ zu erklären. Kinder verstehen den Unterschied manchmal nicht. Die Geschichte mit der Vergewaltigung wurde ein heißeres Thema als das mit der toten Mutter, und Samara und ich verbrachten unsere letzten Tage auf Kuba damit, Strachan zu erklären, dass ältere Leute junge Leute nicht einfach an die Bikinigegend fassen dürfen. Er verstand immer noch nicht, wie ernst die Sache war und wollte nicht die Polizei verständigen. Und nachdem ich ihm eine Woche Zeit gelassen hatte, es einem Er-wachsenen zu erzählen, tat ich, was ich tun musste. Ich rief die Polizei an. Verdammte Scheiße, sie machen ihren Job schnell, die Kinderfickerabteilung der Polizei. Bevor ich noch die Unterhaltung beendet hatte, rasten sie zum Arbeitsplatz des Stiefvaters, zerrten ihn aus dem Büro und warfen ihn ins Gefängnis. Am nächsten Tag brachten sie ihn in eine Verhörzelle und ließen ihn seine Geschichte erzählen. Er behauptete, das Mädchen wäre nur wütend, weil er sie am Abend davor nicht zu einer Party gehen lassen hatte. Ihr versteht, wie schwerwiegend das ist? Seine Verteidigung beruhte auf dem zeitlichen Ablauf der letzten Nacht. Strachan hatte mir eine Woche vorher von dem Problem erzählt. Das heißt unsere Unter-haltung in Kuba war nun ein wichtiger Bestandteil der Beweisführung UND Samara war ja ein essentieller Teil dieser Unterhaltungen! Das heißt, ich musste Samara anrufen und ihr nicht nur sagen, dass wir vor Gericht gingen, sondern auch, dass ich sie mit der Sache über den Tod meiner Mutter angelogen hatte (falls das vor Gericht zur Sprache käme, wäre sie als Zeugin total diskreditiert). Kannst du dir das Telefonat vorstellen? Es brauchte drei Anläufe, um ihr die Geschichte klar zu machen und als es soweit war, dass wir vor Gericht mussten, wusste sie die Wahrheit, hasste mich zu Tode und, was am wichtigsten war, war in der Lage auszusagen. Der Typ bekam eine ziemlich lasche Strafe, so was wie kein Knast, sondern eine einstweilige Verfügung, aber das reichte uns. Wenigstens waren die Titten von der Kleinen in Sicherheit. Anscheinend hat die Mutter ihre Tochter dann noch beschuldigt, ihren Macker mit lauter versauten Lügen vertrieben zu haben, aber sie sah später ein, dass es stimmte (sie verstand plötzlich, warum das Mädchen im Bett immer sieben Pyjamas übereinander trug). Mein Bruder blieb echt felsenfest und behielt es für sich; obwohl die Polizei in seine Schule kam, um ihm Fragen zu stellen, hat er niemandem davon erzählt. Das war das Jahr, in dem er zum Mann wurde. Ich kam in Kuba zwar letzten Endes nicht zum Zuge, vögelte Samara dafür aber ein paar Monate später in New York. Wir drehten sogar ein paar Pornofilme, bei denen ich sie fesselte und ihren Arsch ausleckte. Das war aber ein Ding zwischen zwei Erwachsenen, mit deren Zustimmung und in den eigenen vier Wänden. GAVIN MCINNES CONTINUED: TRUE CRIME | 1 | 2 | 3 | |