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DOS & DON'TS
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Ich hatte ein Gramm Kokain und zwei Ecstasytabletten genommen, plus drei Tropfen von dem Acid, also fühlte ich mich schon ein bisschen „schummrig“. Als dieser Freund 30 Minuten nachdem er die ganze Dosis genommen hatte, von der Tanzfläche kamzitternd wie ein Epileptiker, die Augen weit aufgerissen, als hätte er gerade eine Vision der Hölle gehabtund stumm auf mich zeigte und mit dem Mund die Worte: „Duuuuu haaasttt miiiichh ffferttigg gemaaaaachhhht“, formte, fing ich an auszuticken. Alles wurde nur noch schlimmer, als er anfing zu kotzen, in Tränen ausbrach und behauptete, er hätte „Visionen aus Brasilien“. Als mir mein völlig durchgeledertes Hirn sagte, dass er wahrscheinlich sterben würde, sah ich mich schon 25 Jahre lang für Mord einsitzen. Ich ging nach Hause und lachte und weinte hysterisch zur gleichen Zeit. Am Ende stellte sich heraus, dass er sich, nachdem er vier Tage in einem verdunkelten Zimmer verbrachte, wieder erholt hatte. Aber, sehr zu Recht, hasste er mich dafür, was ich ihm angetan hatte. Nach dieser Aktion beschloss ich, das Acid erst mal eine Weile wegzupacken. Ich lagerte es auf meiner Arbeit im Schreibtisch. Die nächsten zwei Monate schluckte ich aber weiter fröhlich Kokain, Alkohol, Heroin und Ecstasy, also schob ich meine psychedelischen Visionen und das grundlose Losgelache und -geheule bei dienstlichen Besprechungen darauf. Ich hatte nämlich nicht gemerkt, dass ich die Flasche mit dem Acid nicht richtig zugeschraubt hatte und es daher langsam in all das Papier, die Stifte und CDs, die ich da drin hatte, sickerte. Jedes Mal, wenn ich in den Schreibtisch griff, um etwas rauszuholen (so fünf Mal am Tag), kriegte ich etwas Acid an die Finger. Ich war die ganze Zeit am Trippen. Ich war fast erleichtert, als ich es endlich mitkriegte, denn ich dachte schon, ich würde langsam biologisch verrückt. ANDY CAPPER Reisen auf Hydrocodon Okay, ich flog also von Moskau nach Berlin zurück. Ich kann mich nicht erinnern, was zum Teufel ich da überhaupt zu suchen hatte, aber es war ein dreistündiger Flug und ich fand, es sei eine Superidee etwas Hydrocodon zu nehmen, damit ich pennen konnte. Ich hasse es, zu fliegen, weil ich 1,95 m groß bin und Knie habe, die bis sonst wohin gehen und es deshalb für mich ein Ding der Unmöglichkeit ist, im Flugzeug bequem zu sitzen. Also mach ich ein Nickerchen, während wir losrollen und dann wache ich auf und wir sind in der Luft, die Lampen sind aus und alle schlafen, denn es ist so eine Art Nachtflug. Dann sehe ich, dass ein paar Reihen weiter vorne drei Sitze frei sind, also geh ich rüber und leg mich zum Schlafen hin und denke: „Das wird echt super.“ Also frag ich die Flugzeug-Krankenschwester oder die Flugbegleiterin oder so: „Haben sie leichtes Bier?“, und sie war sich nicht sicher, was sie da haben und bringt mir also gleich zwei verschiedene und bevor ich mich noch entscheiden kann, sagt sie, „Ach, nehmen sie sie doch beide“ und ich sag Danke und dann sagt sie noch: „Aber trinken Sie sie schnell!“ Ich hatte keine Ahnung, warum sie das sagte; wir hatten ja noch so zwei Stunden Flug vor uns. Aber ich lachte und sagte: „OK, mach ich!“, als sie wegging. Also nehme ich die zwei Hydrocodon und schütte die Biere runter und als ich gerade zur Hälfte mit dem zweiten Bier fertig bin, macht der Kapitän eine Ansage, dass „wir in ca. 15 Minuten in Berlin landen werden.“ Das „Nickerchen“, das ich gemacht hatte, dauerte fast drei Stunden! Der Flug war fast vorbei. Ich hatte mein Auto am Flughafen geparkt und ich erinnere mich noch, dass ich dachte: „Ich muss es nur zum Auto schaffen, dann bin ich OK.“ Genau, ich muss es nur in meine anderthalb Tonnen schwere Mordmaschine schaffen und alles ist bestens. Als ich auf die Straße kam, war es der pure Horror. So schlimm, dass ich an den Rand fuhr und einen Freund anrief, dass er mich abholen soll. Ich kann mich an diesen Teil nicht so genau erinnern, aber ich weiß noch, dass ich in eine Plastiktüte kotzte und sie aus dem Fenster warf. Nachdem ich zu Hause angekommen war, setzte ich einen Fuß aus dem Auto und bevor ich noch den anderen Fuß auf den Boden setzen konnte, war ich schon eingeschlafen. Ich lehnte so ungefähr eine halbe Stunde wie tot an der Tür. Ich wachte auf und humpelte die Treppe zu meiner Wohnung hoch, wo ein Kumpel an der Wohnungstür auf mich wartete. Er hatte mich nicht auf dem Parkplatz schlafen sehen, also wartete er, während ich weniger als neun Meter von ihm entfernt schnarchend dastand. Er erinnerte mich also da-ran, dass wir vorhatten, wegzugehen und ich sagte, dass ich nur kurz mein Zeug reinbringen will, aber irgendwie landete ich dann mit dem Gesicht nach unten auf der Couch. Ich wachte am nächsten Morgen auf, immer noch mit dem Gesicht nach unten und meinen halben Körper irgendwie am Boden verteilt. Mein Kumpel war gegangen. Er muss eine Weile versucht haben mich aufzuwecken und ist dann wohl einfach wieder nach Hause gegangen. TIM SCHWALBE CONTINUED: CHEMICALS | 1 | 2 | 3 | Next> |