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DOS & DON'TS
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Es war Sommer. Ich hatte gerade den Führerschein gemacht. Ich war kein Draufgänger. Ich fuhr sicher. Aber als der Abend gekommen war, an dem ich dran war, den Sportwagen meiner Mutter zu borgen und meine Freunde aufzugabeln, damit sie kleine Joints aus miesem Gras rauchen und über jeden Einzelnen in der ganzen Stadt herziehen können, kam ich der Pflicht gern nach. Wir fuhren also die Hauptstraße lang. Sie ist mit College Bars gesäumt und hat einen McDonald’s, auf dessen Parkplatz sich allerhand Schnösel, Punks und Prolls, aus den drei örtlichen High Schools (zwei staatlichen und einer kirchlichen) versammelten. Bei uns in der Stadt nannten wir die Prolls nicht wie üblich „Heshers“, sondern „Grubs“. Viele dieser „Grubs“ hatten sorgfältig restaurierte Muscle-Cars und saßen auf ihren Motorhauben. Die Schnösel hingegen fuhren ironischerweise, oder vielleicht auch in Vorahnung ihres zukünftigen Spießerlebens, erwachsen aussehende, verlässliche, vernünftige Autos, auf deren Motorhauben natürlich nicht gesessen wurde. Wir hatten da nichts verloren. Wir hatten nicht wirklich Lust, bei dem McDonald’s zu halten, der sich übrigens einen zweiten Parkplatz mit einem Mexikaner teilte. Beide Parkplätze waren voller Kids, aber wir waren natürlich was Besseres und fuhren einfach Kreise darum und rissen Witze. Meine Freunde kifften die ganze Zeit. Ich war der Fahrer und ein braver Junge, also machte ich nicht mit. Wir waren auf der gegenüberliegenden Seite der Straße, d.h. um zum McDonald’s zu kommen, musste man links abbiegen und die andere Fahrspur kreuzen. Und genau das versuchte so ein Typ in einem schwarzen Pick-up gerade zu tun. Es war ein heißer Tag und er hatte einen mittelgroßen schwarzen Labrador, der hechelnd auf der Ladefläche lagein Kiffer hätte bestimmt gesagt, der Hund würde grinsen. Aus der anderen Richtung kamen Autos, also musste der Typ im Pick-up warten. Das wusste ich allerdings nicht. Zwischen ihm und uns saß ein dickwanstiger Typ um die 25, ein Gewichtheber oder so was, auf irgendeiner stinknormalen Kawasaki. Die Art Motorrad, die man sich bei ‘nem Familienvater vorstellen könnte, ein Anwalt vielleicht, von der Sorte, die keine Ohrringe tragen, sondern einfach nur gern an der Luft sind. Ein Motorrad für Anfänger. Aber auch das wusste ich nicht. Stattdessen wusste ich: Wir waren in schönster Sichtlinie von ca. 344 Kids auf dem Parkplatz. Und ich wusste: dass ich meinen Freunden gerade irgendwas extrem Witziges erzählte. Was ich nicht wusste: dass alle 344 Kids auf dem Parkplatz zusahen, wie der Pick-up verlangsamte und anhielt. Wie das Motorrad anhielt. Und das fand ich heraus: dass duwenn alle deine Freunde plötzlich mitkriegen, dass keiner im Auto auf den Verkehr geachtet hatvon 28 Meilen pro Stunde auf etwa 7 Meilen pro Stunde verlangsamen kannst, bevor du auf, was auch immer sich in dem Moment gerade vor dir befindet, draufrauschst. Was auch immer sich in dem Moment vor mir befand, es war der dicke Typ auf dem Motorrad. Ich rammte ihn. Oder das Motorrad. Das Hinterrad. Ich hatte zu viele Filme gesehen. Zu viel Zeitung gelesen. Ich sah mich sofort vor Gericht sitzen. Im Knast bis ich 67 bin. Ich war am Arsch. Dann höre ich aus Richtung des Parkplatzes ein krasses Raunen344 Leute, die nach Luft schnappen. Dann sehe ich den dicken Typen abheben und mit zappelnden Armen durch die Luft fliegen. Ich sah, wie der schwarze Labrador zu ihm hochschaut, ein Stück nach rechts ruckt, dann ein Stück nach links und dann wieder nach vorn, weil er nicht weiß, was er tun soll, um sich aus der Flugbahn des fliegenden Fettsacks zu retten. Meine Freunde lachen natürlich los und es heißt: „Mann, du Vollidiot.“ Der Typ landet also, auf beiden Füßen, hinten auf dem Pick-up. Der Hund wackelt mit dem Schwanz und rennt im Kreis um ihn rum. Der Typ nimmt den Helm ab. Er scheint okay zu sein. Aber sehr wütend. Er hat einen herauswachsenden blonden Bürstenschnittsieht aus wie Udo, der Sänger von Accept. Er macht eine Art Rodeosprung von dem Truck und rast auf mein Auto zu. Udo hämmert also mit geballter Faust auf meiner Motorhaube rum. Der komplette Parkplatz bricht in Gelächter aus. In beiden Richtungen halten die Autos an. Ich bete, dass die Bullen bald kommen. Mein Freund Liebermann: „Lass uns hier verschwinden.“ Ich mime Udo durch die Frontscheibe zu: „Meine Schuld.“ Die ganze Welt: „Ach! Ehrlich?“ Wenig später erschienen die Bullen. Udo tat nicht so, als sei er verletzt. Ich wurde nicht verklagt. Ich bekam eine Verwarnung für unaufmerksames Fahren. Das Auto meiner Mutter war okay. Lediglich das vordere Nummernschild hatte es an dem Akkordeon, zu dem das Motorrad von dem Typen zerquetscht wur-de, zerschreddert. Ein paar Wochen später fuhr ich wieder. Eine nicht ganz leichte Entscheidung. JEFF JOHNSON Ahhh. Fein gemacht, Jungs. Wir haben über eure verrückten Actionstorys Tränen gelacht. Wirklich gut. Okay, öffnen wir also den Umschlag und schauen, wer gewonnen hat. Seid ihr bereit? Ay Caramba, der Gewinner ist ... der Typ, der Jesus gesehen hat. GEWINNER: ICH WURDE (FAST) ERSCHOSSEN Jeff Jensen: „Wisst ihr was? Ich hab das verdient! Wenn man an all diese Weicheier im Irak denkt, mit ihren amputierten Beinenalso echt, zur Armee kann jeder. Und die Ghettokids, die man beim Dealen angeschossen hat, oder als sie gerade sonst irgend’ne Scheiße gebaut haben? Das ist nur noch langweilig! Also klar, da kann ich mir vorstellen, warum meine Story so einen Anklang bei der Jury gefunden hat. Ist ‘ne tolle Geschichte. Trotzdem, Danke!“ ACTION! | 1 | 2 | 3 | |