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DOS & DON'TS

Taking in an exchange student seems like a bad decision when he walks in on you in the bathroom or wants to learn about baseball. But come on, how good is the part when you and your friends teach him that the American way to answer the phone is "Hello fancy lady?" or that it's customary to present your host with a 10-inch swath from the bottom of each garment after a dinner party? Pretty good. Comments/Enlarge | See all


Thank God there's somebody out there who's fighting the racist and stereotypical view that the only people who cannibalise children these days are warlords from Liberia. Comments/Enlarge | See all






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Bad boys, bad boys, whatcha gonna do, whatcha gonna do when they come for you? Foto von Angela Dittmar für Lucky S.R.L.





Wer nach Paraguay reist, erwartet, dort auf korrupte Beamte zu treffen. Sobald man in Asunción landet, ist man umzingelt von einer Horde extrem ausgemergelt aussehender Menschen. Die trüben, geröteten Augen treten ihnen aus den Schädeln. Sie drängen dir ihre „Hilfe“ auf, in der Hoffnung, 50 Cent zu verdienen, oder, noch besser, dich um dein Gepäck zu erleichtern. Wenn du deutsch oder amerikanisch aussiehst, dann kämpfen sie um dich wie Ratten um einen toten Vogel. „Americano? Americano? Americano? ... Alemán?” Es ist unmöglich, diesen Szenen zu entgehen. Wenn du andere Städte bereist, dann sieh dir mal die Polizisten an. Sieh in ihre Augen. Sie sind genau so ausgezehrt, bärtig, verschwitzt und unangenehm wie die Wegelagerer, nur haben diese Fucker zusätzlich ständig ein arrogantes Grinsen im Gesicht und eine Kalaschnikow im Anschlag. Sie haben viele hungrige Münder zu füttern, genau wie die Banditos auch. Hungrige Münder wollen gefüttert und Polizisten geschmiert werden: entweder du zählst zu den Polizeikräften, oder du zahlst an die Polizeikräfte.

Auf einer meiner Reisen nach Paraguay war ich mit einem Freund unterwegs. Christian Kracht und ich fuhren für vier Tage nach Nueva Germania. Danach waren wir noch drei Tage in Asunción, von wo aus wir jeweils wieder nach Hause flogen.

In NG haben wir mit Jorge Halke gefeiert, der schon bald darauf ermordet werden sollte. Ferner anwesend waren Melissa Halke, das hübschste Mädchen, das die Eugenik je hervorgebracht hat, Flora Fischer, eine ältere Dame, die Paraguay verabscheut und in ihrem Garten Kimjongilia-Begonien züchtet, sowie Magdalena Fischer, die man als Elisabeth Nietzsches geistige Erbin bezeichnen kann. Des Weiteren war auch der opportunistische Wächter eines entlegenen Sees namens Laguna Blanca, in dem eine gewaltige Unterwasser-Kimjongilia wächst, die das Interesse der gesamten internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft auf sich zieht, dabei. Wieder in Asunción angelangt, verlangte es Christian nach etwas Crack. Wir gingen in eine Terrassenbar, die vis-à-vis unseres Hotels in einem der zwielichtigeren Teile von Centro lag. Zwei blonde, bleiche Gringos, die an einem Bürgersteigtisch schräg gegenüber vom Asunción-Palast-Hotel Bier tranken und diskret versuchten, mit Angestellten und Einheimischen Kontakt aufzunehmen. Ein schlaksiger Kellner mit Dreadlocks erschien, auf ihn setzten wir unsere größte Hoffnung. Er bemerkte, dass er uns aufgefallen war und schien zu erraten, worauf wir aus waren. Er lächelte und winkte. Ich drehte mich um und sah einen Polizei-LKW, in dem zwei ebenfalls lächelnde und winkende Polizisten auf und nieder hüpften. Der Rastamann schien einen freundlichen Umgang mit den Cops zu pflegen. Trotzdem, Fragen ist ja nicht verboten. Idealerweise würden wir mit ihm zunächst einmal ganz allgemein über das Leben in Asunción plaudern und die Unterhaltung dann sachte in Richtung Kokain lenken. Wir würdem ihm dann diesbezüglich unser besonderes Interesse signalisieren.

Christian lächelte und sprach den Kellner auf das sehr germanisch anmutende Etikett des paraguayischen Bieres an, das wir tranken. Es hieß „Bavaria”. „Ja, heutzutage haben alle Biermarken in Paraguay deutsche Namen. In den letzten zwanzig Jahren hat es nur zwei Mal den Versuch gegeben, einen guaranischen Namen zu etablieren. Aber nichtsdestotrotz haben Paraguay und Bolivien ihre einheimischen Erzeugnisse." Inzwischen waren wir fast allein. Nur zwei Paraguayer mittleren Alters lehnten noch am Nachbartisch. Sie verhielten sich ruhig. Ihre knochigen Arme baumelten herab. Der eine ließ seinen Kiefer hin und her schwenken, als wäre er frei gelagert und nicht mit dem Oberkiefer verbunden. Irgendwie kamen sie mir bekannt vor. Dann erkannte ich sie wieder. Es waren die beiden Polizisten vom LKW, denen der Kellner vorhin zugelächelt und gewunken hatte. Nun waren sie in Zivil, beobachteten uns mit ausdruckslosen Mienen und lauschten angestrengt unserer Unterhaltung. Als wir sie fragten, wer sie seien und was sie hier täten, schienen sie uns nicht zu verstehen. Christian fragte: „Sie wissen nicht etwa, wo wir hier vielleicht etwas Crack-Kokain auftreiben können?" Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen, dann verloren ihre Mienen wieder ihren Ausdruck. „Vielleicht", antwortete der eine von ihnen mit lauter Stimme. Er hatte ein klassisches Kokser-Gesicht und ließ seinen Mund offen stehen, als er gesprochen hatte. Die Höhlen zwischen seinen Augenlidern und seinem Schädel waren etwa so breit wie der Radius seiner Augen. Sein Kollege rauchte eine Zigarette. Er hatte einen runderen, weniger ovalen Schädel. Er wirkte ebenfalls ausgemergelt, und seine trüben, roten Augen versanken fast in ihren tiefen Höhlen. „Woher Sie kommen? England? Vereinigte Staaten? Deutschland?“ Nachdem wir uns vorgestellt hatten, luden wir sie an unseren Tisch. „Wir sind gerade von Nueva Germania zurückgekommen und jetzt sind wir auf der Suche nach Crack“, erklärte Christian. „Crack. Gar kein Problem“, sagte der rauchende Polizist.

Die untersetzte Barfrau schlurfte herüber. Unser Tisch war der einzige, an dem noch Leute saßen. „Noch eine Runde?" Ihrem ausgelassenen Lächeln nach zu urteilen schien sie die Polizisten gut zu kennen. In ihrer Anwesenheit wirkten unsere neuen kleinen Freunde sehr selbstsicher. Sie begannen, sich zu entspannen. Und wir wieder: „Meinen Sie, es wäre möglich, jetzt an etwas Crack zu kommen?“ „Kokain ist ein merkwürdiges Geschäft, zumindest in Paraguay. Sicher, es ist illegal. Aber wir sind doch vor allem hinter den richtigen Schurken her, hinter der Hand voll Kartelle, die die Drogen tonnenweise über die Grenzen schaffen, meist über getarnte Flugpisten. Es wäre ja ein Witz, wenn wir den kleinen Endverbraucher hochnehmen würden! Vor allem, da doch gerade die Drogentouristen Paraguay am Leben halten. Viele Ausländer kommen nach Paraguay, um Drogen zu kaufen, die hier legal, aber andernorts verboten sind. Ketamin z.B. Auch Rohypnol, die so genannten ‚Roofies’. Davon schon mal gehört?“ Basketball-Kopf plauderte aus dem Nähkästchen. Als ihm der andere Cop einen finsteren Blick zuwarf, änderte er unvermittelt das Thema: „So, sie sind Musiker. Welches Instrument spielen sie denn?“ Christian antwortete für mich: „Er ist Dirigent. Wir haben eine Aufnahme der Hymne dabei, die er für Nueva Germania komponiert hat. Wenn sie das interessiert, können wir ja in unser Hotel gehen, und sie uns gemeinsam anhören.“ Mein Instinkt sagte mir, dass das hier in die falsche Richtung driftete, dass wir viel zu viele echte Informationen über uns preisgaben, obwohl unsere Gesprächspartner nichts von sich erzählten. Und doch, diese Fucker aus der Bar rauszukriegen, schien ein machbarer Schritt zu sein, ein Schritt, der uns näher an unser Ziel heranbringen konnte. Ich nippte ruhig an meinem Bier und sah hinüber zu Christian, der dasselbe tat. Mir fiel allerdings auf, dass er deutliche Schwierigkeiten hatte, die Augen aufzuhalten. Mir ging es ähnlich. Es war erst 1.30 Uhr. „Happy birthday“, sagte der rauchende Cop zu mir. Er schüttelte mir die Hand. „Ja, happy birthday!“, wiederholte der andere mit einem Lächeln, das, eingerahmt durch seinen Bart, regelrecht aufrichtig wirkte.

Sehr entspannt öffnete ich die Augen, ohne mich erinnern zu können, sie jemals geschlossen zu haben. Ich lag vollkommen bekleidet im Bett meines 30 Dollar teuren Hotelzimmers. Mein Blick war noch etwas verschwommen, und ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wie ich dort gelandet war. Es war schon relativ spät am Morgen und ich lag auf der Seite, mit dem Gesicht zur Veranda. Meine Stiefel standen ordentlich neben dem Bett, meine Jacke hing über der Stuhllehne. Zu meiner Linken hätten sich mein SONY Vaio VGN-T250P, meine SONY HDR-HC3 HDV 1080i und mein Canon Digital Rebel XT befinden sollen. Aber mein Equipment-Tisch war leer geräumt. Auf dem Nachttisch hätten meine Mobiltelefone liegen müssen: ein Motorola V557 für Paraguay und ein Motorola RAZR V3 für Kalifornien. Beide weg, samt der dazugehörenden Ladegeräte. Ich schlüpfte aus dem Bett und suchte meine Brieftasche. Noch da, aber kein Geld drin. Mein Pass war noch da. Nun ja, versuchte ich mich zu überzeugen, diese Dinge sind ersetzbar. Es sind lediglich Dinge im Heidegger’schen Sinne, kein Geist wohnt ihnen inne. Aber die unersetzlichen Videos und die Fotos, die wir gemacht hatten und die für die Ewigkeit bestimmt waren? Das Interview mit dem Wächter des Laguna Blanca, im Laufe dessen er davon erzählt hatte, wie er im Haus des Präsidenten Dr. Nicanor Duarte Frutos Zeuge des einzigen Treffens von Reverend Moon und Kim Jong-Il gewesen war? Die Memory Sticks und DV-Kassetten fehlten allesamt. Gut, aber sicher ist die Schachtel mit den heiß geliebten Erbstücken noch da, die mir die Halskes anvertraut hatten. Falsch! Ich sehe auf dem Couchtisch nach, auf und unter den Sofas, im Badezimmer und in allen Regalen und Schränken. Die handgefertigte Box mit Jorge Halkes Nachlass, die mir von der winzigen Eugenik-Göttin Melissa überreicht worden war! Wie nur hatte es geschehen können, dass Nueva Germanias ewiger Jaguarzahn meiner Obhut entzogen wurde?

Meine Zimmertür stand einen Spalt auf. Ich ging hinüber zu Christians Zimmer und klopfte. Die Tür zu seinem Zimmer war zu, aber nicht abgeschlossen. Da er sich nicht rührte, ließ ich mich selbst hinein. Da lag er in seinem Bett, regungslos. Ich sah keine von meinen Wertsachen in seinem Zimmer, auch seine nicht: kein Nokia 8800, kein silbernes G4 PowerBook und auch keine SONY DSC F828. Wahrscheinlich auch kein Bargeld und keine Kreditkarten. Ich fühlte sein Handgelenk, ein Puls war noch zu spüren. Ich schüttelte seinen Fuß. „Christian! Christian! Etwas Schreckliches ist passiert! Wach auf!“ Für einen kurzen Moment beschlich mich das Gefühl, dass er irgendwie hinter der ganzen Sache stecken musste. „Meine ganzen Wertsachen und deine, glaube ich, auch: alles weg! Erinnerst du dich, was gestern Nacht passiert ist?“ Er rieb sich die Augen. „Äh, nein ... Wir saßen mit den Polizisten am Tisch, in der Bar gegenüber und jetzt bin ich plötzlich hier. Wie viel Uhr ist es? Wann sind wir hier gelandet?“ Er schien au natural geschlafen zu haben, seine Unterhosen hingen ihm wie lose Fußfesseln um die Knöchel. „Christian, wie bist du aus den Klamotten rausgekommen?“

DAVID WOODARD