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Progressive Supranuclear Palsy

Mobile Gaming macht manchen Menschen Angst. Zum Beispiel Lucas. Er fürchtet sich nicht vor Speicher-Chips oder Pixeln, davon versteht er nichts. Aber Mobile Gaming könnte seine Sex-Quote schädigen. Lucas ist in einem Waldorf-Kindergarten aufgewachsen und hat mit 16 Jahren zum ersten Mal einen Bildschirm gesehen. Manche nennen das ein Defizit. Im globalen Fortpflanzungswettkampf war eine derart verkorkste Hand-Augen-Koordination aber ein Vorteil. „Ich liebe die Playstation”, meinte er einmal in einem Club, schon wieder auf Suche nach Pussys, deren Freunde mit ihren Kiffer-Kollegen daheim vor dem Schirm festhängen und ihren Verstand längst auf die Memory-Karte geladen hat. „So ein Mädchen ist leicht zu kriegen. Sie ist frustiert und gelangweilt von ihrem Typen”, sagt Lucas. Wahrscheinlich hat Sony mehr Beziehungen zerstört, als das Oktoberfest oder Andreas Türck.

Mit der PSP können die Jungs ihren Freundinnen nun auf die Party nachlaufen, sitzen dann dort auf einem Sofa und zocken, sind aber noch wach genug, um Lucas die Tour zu vermasseln. Mit der PSP ist die Spielsucht mobil geworden, sie verfolgt ihr Opfer auf die Straße. Wie Junkies, die in der Frankfurter U-Bahn Crack rauchen, spielen auch sie jetzt im öffentlichen Raum. There is no fucking surrender!

Das Line-Up des PSP-Releases kennen Videospieler von der Playstation. Das heißt aber nicht, dass die PS-Games massakriert und runtergerechnet wurden, um auf dem Handheld Platz zu haben, wie das bei den Gameboy-Schmalspur-Versionen oft der Fall war. Die Spiele sind im Vergleich zu den PS-Games mindestens identisch, dafür aber mobil. In nächstem Jahr soll die PSP über WiFi oder Infrarot-Schnittstelle auch mit den NextGen-Konsolen „PS3” oder „X Box” kommunizieren können, sodass man im Wohnzimmer ein Spiel „Tekken 6” auf der Playstation beginnen, zwei Hits von der Bong nehmen und dann PSP, Spiel und Monster in die Hosentasche stecken kann.

„Videospiele waren lange in dunklen Zimmern eingesperrt”, sagt Phil Harrisson, der bei Sony die Entwicklung der Konsole betreute. „Wir wollen sie raus- und loslassen auf den Rest der Gesellschaft. Die Sony-Seller verhalten sich wie Drogendealer. Zwar ist der erste Fix beileibe nicht umsonst, aber der Dealer hat neben einer unbegrenzten Menge an Spielautomaten noch ein paar Entertainment-Einstiegsdrogen im Angebot, wie etwa MP3 Spieler, Fotoalbum und Videosammlung. Vor zwanzig Jahren hätte man für diese Medien-Masse einen verdammten Anhänger gebraucht, heute reicht die Hosentasche.

Neben den Games sind vor allem die UMD-Discs ein wohl unvermeidbarer Kassenerfolg. Auf die kleinen, in Plastikhüllen eingesperrten Silberscheiben passt mehr als doppelt so viel Zeug wie auf eine CD-Rom. Und Hollywood und Musikindustrie lieben Sony für diesen Move, denn der Kopierschutz ist höher als bei DVDs und deine Computerskills müssen schon weit über die Google-Suche hinausgehen, um dir das Teil umsonst zu sichern. Unter den ersten dutzend Filmen sind unter anderem: „12 Monkeys”, „Steamboy” von Akira-Schöpfer Otomo und eben auch „XXX – Triple X”.

XXX is right. Auf UMD werden auch Playboy Centerfold Videos angeboten. Zwar zeigt jede Telefonsex-Werbung mehr dirty Details als die lauen Playmates, die Hardcore-Szene wird sich den Markt der mobilen Wichser aber nicht entgehen lassen. Sony hat zwar mit dem „Play Porno”-Trend offiziell nichts zu tun, dürfte sich aber troztdem über den immensen Markt freuen, der hier erschlossen wird. Ich habe selbst nie verstanden, warum es keine Pornos für die kiffenden Computerspieler gab. Das ist ein sicheres Geschäft, und wenn ich programmieren könnte, wäre ich heute Milliardär und Hugh Heffner mein Butler. Wenn die PSP den Porno gesellschaftsfähig macht, wäre wahrscheinlich sogar Lucas mit dem Teil versöhnt.

TOBIAS MOORSTEDT



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