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DOS & DON'TS









Photo von Alexander Erp





Hi. Ich bin der Krüppel mit dem Hund, Alexander Erp. Während meines Mathe- und Informatikstudiums habe ich versucht mich umzubringen, indem ich mich an der Uni eine Treppe runtergestürzt habe. Das hat mich für den Rest meines Lebens geschädigt und meine Sexualität ruiniert. Ich kann noch nicht einmal wichsen. Nachdem ich einige Jahre lang Hundeerziehung studiert und Artikel zum Thema veröffentlicht hatte, habe ich mich aktiv und passiv der Hundesexualität gewidmet. Ich wollte eine Lösung finden, die sowohl dem Hund als auch seinem Besitzer zu Gute kommen würde.

Ich habe den Hunden nur einen runtergeholt. Das war immer völlig von meiner eigenen Sexualität losgelöst, jedes Handeln war auf die Reaktionen des Hundes abgestimmt. Im Rahmen meiner Arbeit kam ich natürlich mit Wissenschaftlern, Hundetrainern, normalen Hundehaltern, aber auch mit der „Sodomisten-Szene” in Kontakt. Da findet sich alles von Pferderippern über Sodomisten, die heimliche Quickies zwischen ihren Tieren und Kunden organisieren, bis hin zu Leuten, die ihre Tiere wirklich lieben.

Wie auch immer—ich glaube, die wirklich Bösen sind die Sexualverstümmler. Die Hundehalter, die ihre Tiere kastrieren lassen, ohne zu wissen, dass sie damit den Hormonhaushalt und Stoffwechsel ihrer Tiere zerstören. Wie sieht es eigentlich mit den Menschen aus, die Hundescheiße aufheben und nach Hause tragen? Die wären vor einigen Jahren noch als koprophile Psychopathen denunziert worden, jetzt werden wir vom Staat gezwungen, etwas derartig Widerliches zu tun. Was ich damit sagen will: Wenn wir schon wie selbstverständlich mit der Scheiße von Hunden umgehen, sollten wir auch wie selbstverständlich mit ihrer Sexualität umgehen. Als Tierschützer getarnte Fanatiker haben mich wiederholt angezeigt. Sie haben eine Reihe von Untersuchungen an meinem Hund durchgeführt, weil ich nie verheimlicht habe, dass ich ihn masturbiere—es hat ihm überhaupt nicht geschadet. Also wurden alle Anzeigen wegen Missbrauchs abgewiesen. Aufgrund meiner Pflege ist mein Hund geistig und körperlich fit und hat ein gesundes Selbstvertrauen. Er hört auf mich, ohne mir hörig zu sein. Das ist fantastisch und ich weiß, dass meine Handarbeit einen positiven Einfluss auf ihn hatte, das sollten die Leute wenigstens akzeptieren.

Das ist Gina Barth-Muth, während sie sich um zwei Esel kümmert.

Bei diesem Thema bleibt natürlich die Frage nach meiner eigenen Sexualität nicht aus. Ich habe das ganze nicht aus sexuellem Interesse, sondern aus Interesse an der Verhaltensforschung begonnen. Tiersexualität spricht mich nicht an, sie fungiert noch nicht einmal als Wichsvorlage. Ich bin nicht schwul, also muss ich heterosexuell sein. Der einzige sexuelle Kontakt, den ich in meinem Leben hatte, war berechnend und zum Glück schnell wieder vorbei.

Ich kann nicht beurteilen, ob Tiere die besseren Liebhaber sind. Ich weiß noch nicht einmal, ob sie die besseren Freunde sind. Was sie für mich so bewundernswert macht, ist ihr Verhalten, dass geradlinig nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Ich liebe meinen Hund—ihn sexuell zu befriedigen ist für mich so, wie für andere Herrchen, ihrem Hund einen Hundekeks zu geben. Mit meiner Libido läuft hier also gar nichts falsch.

ALEXANDER ERP

Gina Barth-Muth sagt dazu:
So was macht mich hochgradig aggressiv. Wieso setzt er sich ständig mit diesem Thema auseinander, obwohl er sagt, dass er selbst keine Sexualität hat? Wenn ich einen Hund masturbiere, was bin ich denn dann für ihn? Eine Hündin, ein Gegenstand, der Rudelführer? Das ist völlig widersinnig.

Hier wird menschliches Verhalten in den Hund fehlinterpretiert. Hunde denken nicht von morgens bis abends an Reizwäsche. Hunde erinnern sich erst an ihre Sexualität, wenn sie den Geruch einer heißen Hündin in die Nase bekommen. Wenn sie dann nicht ran dürfen, leiden sie natürlich, aber sie lernen auch, damit umzugehen.

Mit einer Kastration nehme ich ihm auch keine Lebensqualität, ich gebe sie ihm. Denn für eine läufige Hündin hungern die Hunde, laufen von zu Hause weg, jammern und jaulen. Eine Kastration erledigt dieses Thema einfach. Und dass bei einem Hund Krankheiten aufgetreten sind, weil sich sein Hormonhaushalt durch die Kastration verändert hat, habe ich wirklich noch nie gehört.
Wenn er wirklich etwas für seinen Hund tun möchte, soll er ihn füttern, mit ihm spazieren gehen, und gut. Aber das hier macht mich krank. Sodomie gab es ja schon immer, aber wenn die Ziege früher für den Knecht herhalten musste, hätte der nie behauptet, dass es der Ziege gefällt. Das verachte ich zwar genauso, aber wenigstens ist es ehrlich. Aber wenn einer sagt, er macht es nur für das Tier—dann hat er sie nicht mehr alle.

Gina Barth-Muth, 44, ist freie Journalistin und Chefredakteurin von Oberberg Heute. 1997 bekam sie den Journalistenpreis des Deutschen Hengsthalterverbandes. 2002 gründete sie den Tierschutzverein für Großtiere THEA (Tierschutz Hilfe Ermittlung Aufklärung) in Morsbach. Veröffentlicht hat sie bisher ein Buch über Kampfhunde: Feindbild Hund und Halter. Gina Barth-Muth hält selbst drei Pferde und vier Hunde.