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DOS & DON'TS









Photo von Daniel Sadrowski




Wenn man jung ist und aus Nordskandinavien kommt, ist man gearscht. Man hat für gewöhnlich zwar Kohle, leidet aber auch an Schwermut und einer gewissen latenten Weirdness. Das dritte Album der norwegischen Kraut-Punk-Rock-auf-Gitarren-Ölfässern-und-Aschenbechern-Band Kaizers Orchestra zeigt dies ganz deutlich. Hier wird eine Parallelnachkriegswelt gezeichnet, in der Dieter Meyer, der Direktor des Instituts für psychische Kriegsschäden, seine große Liebe zwangseinweisen lässt, seine Unternehmungen mit Diamantenhandel finanziert und betrügerische Mitarbeiter nach dem Zwangsaufenthalt in der Institution unbekümmert beim KGB arbeiten. Übrigens, welch ein Aufstieg für einen Typen, der normalerweise der Sänger von Yello ist. Jedenfalls ist diese ganze Sache im Grunde Gottfried Bennesquer Freakshit, was schon mal eine deutliche Verbesserung gegenüber den normalen norwegischen Troll- und Elfen-Geschichten darstellt, die man von diversen Metalbands kennt. Dass die Platte in Norwegisch verfasst wurde, ist also auch nur konsequent.

VICE: Heute bist Du Sänger—wie war deine Zeit in der norwegischen Armee? Beschissen?
Jan Ove: Voll grausam. Als ich rauskam, war ich ein Monster. „The Shakal“.

Der fiktiv-kaputte „Maestro“ Eures Albums heißt Dieter Meyer. Er ist gar kein Norweger?
Ja, der Dieter. Könnte ein Deutscher sein, ein Österreicher. Ein Ami mit deutschen Wurzeln.

Ein „africanized“ Deutscher vielleicht?
Da hast du’s. Afrikansk Tysker., ich hab ihn mir schon immer als Schwarzen vorgestellt. Er hat diese Institution gegründet, die den ganzen Kaputten nach dem Krieg aushilft.

Was passiert da genau?
Alles. Drogen, Gras, Frauen. Scary Shit. Schwarze Deutsche. Organe von Kranken werden verkauft, für Experimente. Man muss so eine Institution schließlich auch bezahlen.

Und wer soll das alles verstehen? Auf Norwegisch? Wer hört eigentlich euren Sound?
Unsere Musik ist mehr was für Loser. Für slicke Dänen. Nicht für Typen mit Krawatten.

RENKSTARR
Kaizers Orchestras Album „Maestro“ erscheint am 15. August bei Universal.