Letzte Woche ist Papst Benedikt nach Madrid gekommen, um tausenden jungen Katholiken aus der ganzen Welt zu versichern, dass ihr Gott noch immer relevant sei. Ungefähr 150 sekuläre und soziale Organisationen sind mithilfe der „Indignados”-Bewegung auf die Straße gegangen, um mit dem Slogan „De mis impuestos, al Papa cero” (Kein Euro von meinen Steuern für den Papst) gegen die zügellose Opulenz von Ratzingers Besuch zu protestieren. Esperanza Aguirre, Präsidentin der autonomen Gemeinschaft Madrid, nannte sie „intolerante Aufrührer”, der Erzbischof von Toledo nannte sie „Ignoranten”, und ein Sprecher der spanischen Bischofskonferenz beschuldigte sie, „soziale Parasiten” zu sein.

Der Marsch selbst hatte eine beruhigend blasphemische Partyatmosphäre. Bierverkäufer machten ziemlich viel Profit. Bis zum Abend lief alles friedlich, dann standen sich beide Seiten (Protestanten und katholische Pilger) am zentralen Plaza del Sol gegenüber. Die Pilger sangen „Ich bin süchtig nach Benedikt” und die Protestanten antworteten mit „Päderast”. Kurz nach 22 Uhr entschloss sich die Polizei, die Pilger vom Platz zu eskortieren und mit ihren Schlagstöcken auf sie los zu gehen. In der letzten Zeit sind polizeiliche Übergriffe zu einem der unterhaltsamsten Aspekte von Madrids Nachtleben geworden.

Text: Iván Parlorio

Fotos: César López Lumbreras