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Marianne Rothen ist eine dieser Fotografinnen, deren Bilder unseren Kiefer auf den Boden krachen und uns nervige Wörter wie exquisit, superb oder fulminant benutzen lassen, wenn wir ihre Arbeit beschreiben. Dann merken wir, dass wir uns wie totale Vollidioten anhören, sind einfach ruhig, schauen uns die Bilder an und wünschen, wir wären in ihnen drin.

Nachdem wir ihre Fotos bei einer Austellung, bei der es auch Bilder von Richard Kern und George Holz zu bestaunen gab,  gesehen haben, war es für uns höchste Zeit, sie euch hier näher zu bringen. Wir fragten sie, ob sie uns nicht ein paar Bilder und Zeilen schicken könnte und das tat sie. Die Reihe unten nennt sich Gentle Creatures.

“Ich wurde in den 80ern in Kanada geboren und fing mit 15 an zu modeln. Ich habe schon fotografiert, bevor ich gemodelt habe, also war das modeln für mich eher eine Möglichkeit, um Menschen zu finden, die ich fotografieren kann und um zu lernen, wie ich bessere Fotos mache.

Die meiste Zeit habe ich mit einer alten Polaroid SX-70, auf  SX-70-Film, 600-Film oder  Impossible Film fotografiert. Ich arbeite mit Filtern. Seitdem Polaroids so teuer geworden sind, habe ich viel mit verschiedenen Medien experimentiert—analog und digital vermischt.

Meine größte Inspirationsquelle sind europäische Filme aus  den 60ern und 70ern. Das versuche ich auch in meinen Bildern nachzuahmen. Ich möchte das warme Licht dieser Zeiten wiederbeleben. Meine Models sind meistens Schauspielerinnen. Ich mag es, wenn sie einen Character annehmen oder die Karikatur einer Rolle, auf jeden Fall etwas, mit dem sie spielen können. Wenn mir jemand sagt, dass meine Bilder aussehen wie Fotografien aus den 60ern, weiß ich, dass derjenige meine Arbeit versteht.

In den letzten zwei Jahren habe ich an einem Projekt gearbeitet, in dem es darum geht, alte Bilder zu nochmal zu fotografieren. Fragmente von Ausschnitten zu nehmen, sie einen Prozess durchlaufen zu lassen und die Bilder so zu rekontextualisieren. Es hat eigentlich nur als Anhaltspunkt gedient, wurde dann aber für mich zu einer Art Zeitreise und hat es mir ermöglicht, die Vergangenheit zu fotografieren. Ich nenne es Catalog of Past Dreams. Ich arbeite an einem Buch und hoffe, dass es dazu auch eine begleitende Ausstellung gibt.

In diesem Sommer arbeite ich an einem lebensgroßen Bett aus Nägeln und möchte ein Mädchen darauf fotografieren. Meine erste Arbeit, die auch Skulpturen miteinbezieht, sie spielt mit Gegensätzen. Schneewittchen auf Nägeln.”

FOTOS: Marianna Rothen
MODELS: Hollie Witchey als Greta und Schauspielerin, Kate Lillecrapp als Faye
Die Fotorechte liegen bei MO David North