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Wir lassen die Familie Gaddafi einfach nicht in Ruhe. Nachdem wir nun schon die Residenz von Papa Gaddafi aufgesucht haben und bei den Hausbesetzern zu Besuch waren, die sich Saif al-Islam al-Gaddafis Haus in London unter den Nagel gerissen haben, waren wir heute auf den Spuren des mittlerweile verblichenen Saif al-Arab al-Gaddafi in München.

Martin Fengel hat sich also für uns in ein Taxi gesetzt und ist die Nobelvillen abgefahren, in der der Gaddafi Sproß auf Papas Kosten bis Februar gehaust hat. In den drei Jahren, die er in München verbrachte, hat er es dort auch ziemlich hoch hergehen lassen. Betrunken Auto fahren, Sturmgewehre schmuggeln, Menschen bedrohen, Anstiftung zum Mord und Körperverletzung gehörten zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, während er eigentlich an der TU München hätte studieren sollen. Doch der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm, wie man so schön sagt und überbordende Exzentrik und Geisteskrankheit liegen den Gaddafis ja anscheinend im Blut. Wie der Rest des Clans kehrte auch er nach Libyen zurück, um Papi Gaddafi in seinem irren Kampf um den Machterhalt und um sein privates, luxuriöses Leben zu unterstützen. Vor knapp einer Woche kam er schließlich bei einem Luftangriff der Nato in Tripolis ums Leben. Irgendwie blöd gelaufen, denn in einem Münchener Nobelvorort wäre ihm das wohl bestimmt nicht passiert. Das hat uns jedenfalls Martin über Gaddafis Münchener Luxusvillen berichtet:

Heute vormittag bin ich mit dem Taxi einfach mal nach Bogenhausen gefahren. Ich wusste ja nicht, wo genau das Haus des mittlerweile toten Saif Gaddafi ist, es schien aber so, als ob alle Menschen, die ich dort in der Pienzenauerstraße traf, gerne Auskunft gaben, wo das Anwesen denn sei. “Gott sei dank ist er tot”, sagte eine freundliche Dame. Wie das Haus dort aussieht kann man ja auf den Fotos sehen. Ich habe geklingelt, aber niemand hat aufgemacht. Wie auch? Der Mieter ist ja tot. Dann habe ich mir ein weiteres Taxi zum anderen Anwesen von Saif genommen, in das er umzog, nachdem ihm seine Villa zu klein wurde.

Es sollte eine längere Taxifahrt werden, denn Waldperlach ist etwas ausserhalb und so erzählte mir der Taxifahrer einen Haufen esoterischen Unsinn über eine Theorie, die Enigmatismus oder Ennitismus oder ganz anders heißt. Laut dieser kann man die Menschen wohl in neun Gruppen aufteilen und Gaddafi Senior ist definitiv eine 8 - Menschen, die ihren Hass nach aussen tragen. So, so, sagte ich, ist denn Nummer 9 noch schlimmer? Und er meinte, daß es bei dieser Theorie nicht um Steigerungen ginge. Irgendwann waren wir dann Gott sei dank da.

Vom Rübezahlweg in den Elfenweg und dann in die Dornröschenstraße zum anderen Anwesen. Neben dem Anwesen ist ein weiteres, das genauso nur andersherum, also gespiegelt aussieht. Dort davor traf ich einen Mann mit einem Besen, den fragte ich, ob sein Nachbar denn der Sohn von DEM Gaddafi ist oder war oder was auch immer. Der Mann sagte: “Weiss ich nicht”. Ich sagte, na, dann mache ich jetzt Fotos und der Mann sagte, die Pressemeute wäre doch sehr lästig. Ich sagte ja. Der Mann sagte “Naja - der Sohn wäre ja jetzt tot.” Ich sagte, wie ich es bereits in der Pienzenaustraße von den Menschen dort gelernt hatte, “Gott sei dank!” - doch das war hier im Dornröschenweg leider die falsche Antwort, der Mann meinte, dass sein Nachbar ganz bestimmt ein sehr netter Herr gewesen wäre, und wie gesagt, in der Presse steht nur Unsinn über ihn. Ich habe mich dann bei ihm noch für das “Gott sei dank!” entschuldigt, was aber auch wirklich doof war.

Fotos: Martin Fengel