HOLLAND WAR DER GRÖSSTE KOKS-HERSTELLER DER WELT

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Ja, schon wieder eine Story über Kokain auf Viceland. Aber es geht auch um Geschichte! Und um ein Buch! Literatur! Conny Braam war 25 Jahre lang die Vorsitzende der Anti-Apartheid-Bewegung in Holland und jetzt hat sie ein Buch geschrieben über die Holländische Kokainfabrik, die zwischen 1900 und 1963 feinstes Marschierpuder (wortwörtlich) produziert hat. Es hat sich herausgestellt, dass die Holländische Regierung massenhaft Geld gemacht hat, indem sie während des ersten Weltkrieges die umliegenden Länder mit Drogen versorgte. Damit war sie mitverantwortlich für das Andauern des Krieges. Lest das Interview, um mehr über dieses kleine schmutzige Kapitel Geschichte zu erfahren.

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Foto von Cornelie Tollens

Vice: Wie sind Sie auf das Thema Ihres Romans The Travelling Merchant of the Dutch Cocaine Factory gestoßen?

Conny Braam: Als ich an der Trilogie über meine Familie arbeitete, der Abraham -Trilogie, fand ich heraus, dass Holland mit dem Verkauf von Opium in Indonesien ein Vermögen verdient hatte. Das war zum Ende des 19. Jahrhunderts. Auf Java gab es eine staatlich geführte Opiumfabrik. Als ich weiter recherchierte, bin ich auf die Kokainfabrik in Holland gestoßen. Sie war in Amsterdam, an der Weespertrekvaart. Heute ist da eine Hells Angels-Zentrale.

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Die neue Fabrik, errichtet 1909.

Ich habe über die Fabrik in Ihrem Buch gelesen. Es war mir neu, dass Holland irgendwann mal Kokain produziert hat.

Das war auch für mich eine faszinierende Entdeckung, weil meine Nachforschungen schnell zeigten, dass diese Fabrik die größte der Welt war. Am meisten erstaunte mich, dass die Verkaufszahlen während des ersten Weltkrieges enorm angestiegen waren. Das war seltsam, weil die medizinische Anwendung von Kokain damals sehr begrenzt war. Zahn- und Augenärzte nutzten es zur Betäubung, aber das war’s eigentlich. Und damals wusste auch schon jeder, dass das Zeug gefährlich ist. Also warum die größere Produktion? Dann fand ich heraus, dass in Deutschland Forschungen über den Effekt von Kokain auf Soldaten unternommen worden waren. Die Testberichte waren euphorisch.

Also wurde Kokain systematisch an Soldaten getestet?

Ja, von Theodor Aschenbrandt, einem deutschen Wissenschaftler. In seinem Aufsatz Die psychologische Wirkung und Bedeutung des Kokain von 1883 beschreibt er, wie Kokain die Ausdauer der Soldaten steigerte, und wie es ihren Hunger und ihre Angst senkte, und dass es sie viel motivierbarer machte. Kurz: Es machte sie zu besseren Soldaten.

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Richtig.

Danach fand ich in einer pharmazeutischen Wochenzeitschrift klare Beweise dafür, dass die Holländische Kokainfabrik während des Krieges an alle Parteien Kokain verkauft hat. Alle, von den Briten, den Deutschen und den Franzosen bis zu den Kanadiern. Viele Länder waren in diesen Krieg verwickelt und Millionen Soldaten von überall her kämpften in den Schützengräben. Die neutralen Niederlande versorgten all diese Länder mit Kokain. Das ist eine bizarre Tatsache und ein schmutziges Kapitel der holländischen Geschichte, das mehr oder weniger verheimlicht wurde. Es ist nicht so, als würden sie einem das in der Schule beibringen.

Nein. Wahrscheinlich nicht.

Die Niederlande machten während des Krieges mit Handel unglaublich viel Geld. Sie gingen aus dem ersten Weltkrieg mit den USA als reichstes Land hervor. Aber das wurde aus den Geschichtsbüchern herausgehalten. Darum bin ich dieser speziellen Geschichte nachgegangen. Wie auch immer, anzunehmen, dass Holland reich wurde, indem es an verfeindete Länder im Krieg Kokain verkaufte, und von dieser Annahme ausgehend einen Roman zu schreiben, ist einfach. Als Romancier musst du nichts belegen. Aber das wollte ich nicht. Ich fand diese Geschichte zu wichtig und die Anschuldigungen zu schwerwiegend, um sie nicht genauer zu recherchieren. Das bedeutete, mich zwei Jahre lang nur durch Archive zu wühlen.

Wie liefen diese Nachforschungen ab? Vollzeit?

Ja, Tag und Nacht. Ich wurde etwas besessen von der ganzen Sache. Wie auch immer, das ist mein zehntes Buch, die meisten meiner Bücher basierten auf Recherche, also habe ich meine Methoden dafür entwickelt. Ich wusste wo und wie ich suchen musste.

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Kessel zur Kokainherstellung

Also, wo haben Sie gesucht?

Nun, ich wusste, dass in dem ehemaligen Gebäude der Fabrik keine Papiere mehr vorhanden waren. Die Hells Angels sind jetzt da. Aber ich wusste, dass ich mehr Glück auf der Empfängerseite der Korrespondenz, z.B. dem Gesundheitsministerium, haben könnte. Also bin ich dort hingegangen, und prompt habe ich Briefe zwischen der Kokainfabrik und den verschiedenen Ministerien gefunden. Der wichtigste Brief, den ich gefunden habe, ging um die Garantie von Handelserlaubnissen. Weißt du, der große Krieg ist am 1. August 1914 ausgebrochen, und Holland hat sofort jeglichen Export verboten.

Warum das?

Weil sie sehen mussten, was passieren würde. Sie konnten nicht die Deutschen weiter mit Gütern beliefern, wenn sie nicht wussten, wie die Briten reagieren würden. Aber es vergingen gerade mal ein paar Wochen und schon wurde wieder gehandelt. Eine der ersten Fabriken, die vom Exportverbot ausgenommen wurde, war die Kokainfabrik. Ihre Bitte wurde gewährt. Ab Mitte August fingen sie also an, die verschiedenen Gegner mit Kokain zu beliefern.

Das ist schnell. Was haben Sie danach herausgefunden?

Als ich verstanden hatte, dass ich auf der Empfängerseite suchen musste, schaute ich in die Archive von ausländischen Pharma-Unternehmen. Ich fand da viel Material. In England war es Burroughs Welcome. Einer meiner Charaktere in meinem Buch ist Einkäufer für diese Firma. Ich habe viel Zeit in ihren Archiven verbracht, weil sie reichlich Material hatten. Burroughs Welcome war die erste Firma der Welt, die Kokain zu Pillen verarbeitete. Davor wurde Medizin als Lösung oder Pulver eingenommen, das war also eine Revolution in der Pharmakologie.

Ich habe in Ihrem Buch gelesen, dass diese Pillen Marschzwang genannt wurden. Treffender Name…

Ja, Kokain zwingt dich zu marschieren. Aber weißt du, Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dieses Zeug überall verkauft, zum Beispiel bei Harrod’s. Es gab in England schamlose Werbung für Kokain, worin es als nützliches Geschenk für Freunde dargestellt wird, mit dem sie ihre Leistung steigern können.

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So wie sie heutzutage Energydrinks bewerben.

Ja. Obwohl Marschzwang wohl ein bisschen mehr Flügel verliehen hat: es enthielt sowohl Koffein, als auch Kokain. Und diese Kombination bringt dich wirklich auf Touren. Ich habe das bei Pharmakologen überprüft. Sie haben mir gesagt, dass das Zeug dich durchdrehen lässt. Diese Pillen waren richtig stark. Und es wurden Millionen hergestellt. Sie waren sehr handlich, denn Kokain in Pulverform ist im Schützengraben nicht sehr praktisch.

Warum?

Die Bedingungen da waren grauenhaft. Und ein Gramm Kokain ist ziemlich wertvoll. Und vielleicht haben viele Soldaten das Zeug auch nicht freiwillig genommen. Ich schätze, dass es ihnen in den Rum gemischt wurde.

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Kochbottiche, in denen die Kokapaste aus den Kokablättern gewonnen wurde.

Oh?

Ja, vielen Soldaten wurde eine Tasse Rum gegeben, bevor sie den Schützengraben verließen. Manchmal war es eben Rum mit Koks.

Das ist lustig.

Alkohol mit Kokain zu mischen verdoppelt den Effekt.

Aber das ist nichts, was seinen Weg in die Filme oder ins Allgemeinwissen gefunden hat. Ich denke an Soldaten, denen der Tabak ausgegangen ist, nicht an totale Drogenjunkies.

Im Versailler Vertrag wurde beschlossen, dass Kokain nur noch für wissenschaftliche Zwecke verwendet wird. Es ist interessant, dass nach dem Krieg tausende schwer süchtige Soldaten in Europa unterwegs waren. Ich habe Artikel darüber in der Times gefunden. In einem ist die Rede von Hunderten abhängigen Veteranen, die durch die Straßen Londons ziehen, um Apotheken zu überfallen.

Wurde Kokain damals noch in Geschäften verkauft?

Ja, aber es war schwieriger zu kriegen, aufgrund des Versailler Vertrages. Nichtsdestotrotz wusste das englische Kriegsministerium natürlich gut bescheid über das Suchtpotenzial von Kokain und den Anstieg von häuslicher Gewalt im Zusammenhang mit Kokainkonsum. In Deutschland waren die Probleme noch größer. In einem Krankenhaus in Berlin waren zehntausende schwer kokainsüchtige Soldaten registriert. Auch Österreich und die Tschechoslowakei hatten Probleme mit Süchtigen. Aber es waren sowieso schwierige Zeiten. Europa lag in Scherben.

Und dann gab es noch diese Grippe.

Nicht nur das, die Kaiser und Monarchien fielen, und die Russische Revolution war in vollem Gang. In Deutschland gab es auch die drohende Gefahr einer Revolution. Ich habe Texte aus dieser Zeit gefunden von anti-kommunistischen Autoren und Wissenschaftlern. Sie geben Kokain die Schuld an Westeuropas Problemen.

Hmm.

Die Probleme mit Kokain hören natürlich nicht sofort mit Ende des Krieges auf. Darum entwickelte sich nach 1918 ein riesiger Schwarzmarkt.

Wie lange war die Fabrik in Betrieb?

AKZO Nobel übernahm sie 1963. Aber wir greifen vor. Kürzlich fand ich heraus, als das Buch schon fertig war, dass die Produktionszahlen der Firma 1925 gefallen sind, aber 1942 wieder in die Höhe schossen. Zu dieser Zeit machten sie Amphetamine, Speed. Hitler gab das seinen Soldaten, damit sie besser arbeiteten. Holland war in diesen Jahren von Deutschland besetzt. Also wurden die Amerikaner und Briten wohl nicht beliefert. Man kann also sagen, dass die Holländische Kokainfabrik die Deutschen während des zweiten Weltkriegs mit Amphetaminen beliefert hat. Mit reinem Gewissen. Oder, du weißt schon…

Ja, ein wirklich reines Gewissen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Produktion nicht eingestellt. Ich wurde von einem Mann kontaktiert, der wusste, dass ich an diesem Buch arbeite, und er erzählte mir, dass er in den 50ern in der Fabrik gearbeitet hatte. Ein toller Kerl, er brachte mir sogar eine Distille und andere Instrumente mit, die in der Fabrik benutzt wurden. Er war Chemiker und testete die Reinheit von Heroin, Kokain und Opium. Damals wurde noch viel davon hergestellt.

Was hat er Ihnen von dieser Zeit erzählt?

Er hasste es, dass er in dieser Art Fabrik gearbeitet hatte, auch wenn es nur für ein paar Jahre gewesen war.

Aber damals sah er darin nichts Schlimmes.

Nein, aber er hat in den letzten Jahren mehr darüber nachgedacht. Die Vorstellung, dass er geholfen hat, eine Substanz zu produzieren, die das Leben von vielen Menschen zerstört hat, machte ihn fertig. Auf jeden Fall hat er mir geholfen, die Menge der produzierten Substanzen zu schätzen. Und jetzt rate mal, wie stark die Produktion in den Kriegsjahren angestiegen ist. Danach war ich mir sicher, dass die Armeen mit Koks versorgt wurden. Wofür hätten sie es sonst gebraucht?

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Damals gab es noch keine Marketingfritzen.

Haha, ja und keine Börsenmakler. Es gab allerdings Künstlerszenen, in denen Koks geschnupft wurde. Das war hauptsächlich in den 20ern. Aber man sollte nicht vergessen, dass die Kokainfabrik einen großen Markt kreiert hatte. Es gab auf einmal viele Soldaten, die um die Effekte von Kokain wussten. Und wenn du an das Deutschland von damals denkst, die Armut, der Hunger… Wenn du weißt, was Kokain mit dir macht, und du in so einer Situation bist, würdest du nicht danach suchen? Diese Gier wurde zu einem großen Problem.

Und Holland machte Geld mit diesem Problem.

Indem wir es besteuerten, haben wir gutes Geld gemacht. Es ist lustig zu sehen, dass frühere Versuche Kokain zu verbieten von der Holländischen Regierung sabotiert wurden. Mehrere Länder versuchten zusammen den Missbrauch von Kokain einzudämmen. Man sollte es nur noch auf Rezept bekommen.

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Ein Laborassistent wiegt vorsichtig Kokain.

So wie heutzutage der Verkauf von Morphium geregelt ist?

Ja, das ist vergleichbar. Aber die Holländische Regierung interessierte das nicht, weil es um viel Geld ging. Dasselbe mit Opium. Holland hat eine ganz schöne Geschichte als Drogen produzierende Nation. Und alles hängt mit diesem schrecklichen Krieg zusammen. Nebenbei, der erste Weltkrieg ist wohl der erste Krieg, in dem Drogen als Waffen eingesetzt wurden. Dann gibt es den zweiten Weltkrieg, in dem Amphetamine genutzt wurden, Vietnam und das Heroin, und bis heute wird Kokain verwendet. Und wenn du dir Afghanistan, Irak oder Afrika anschaust, siehst du, dass Krieg ohne stimulierende Drogen undenkbar ist.

So was sieht man in den Mainstream-Medien nicht sehr oft.

Weil das immer noch ein großes Tabu ist. Wir tendieren dazu, Soldaten nach dem Krieg auf ein Podest zu heben und sie als Helden anzusehen. Man tastet ihren Status nicht an. Und du weißt, wie rufschädigend Drogen sein können.

So wie bei berühmten Sportlern, die des Dopings überführt werden?

Exakt. Ihre Karrieren sind im Eimer und all ihre Leistungen befleckt. Dasselbe gilt für Soldaten. Wenn sie aus dem Krieg zurückkehren, haben diese Jungs nichts anderes als ihren Heldenstatus. Man kann ihnen das nicht wegnehmen. Ich habe aber mit ein paar UN-Soldaten gesprochen, und sie haben mir gleich von ihrem Drogenkonsum erzählt.

In Bosnien?

Nein, in Ruanda. Während des Abendessens saß ein Ex-Soldat neben mir, und er hat die Fassung verloren, als ich ihm von dem Buch erzählte, an dem ich arbeitete.

Dann hat er Ihnen von seinen Erfahrungen erzählt?

Ja, er erzählte mir, dort Pillen namens Blue Heaven konsumiert zu haben.

Und das war?

Kokain in Pillenform.

Vor unserem Gespräch habe ich noch nie von Kokainpillen gehört.

Das Zeug wird auf viele verschiedene Weisen genommen. Manche injizieren es, schnupfen es. Sherlock Holmes spritzte sich Kokain. „Die Nadel, Watson!“ rief er, wenn er mit einem schwierigen Problem kämpfte. Watson protestierte meistens, aber es wurde als gut für das Gehirn angesehen. Freud nahm ebenfalls Kokain. Er schrieb Über Coka, ein sehr positives Buch über Kokain. Später warnte er aber davor.

Ihr Buch handelt von dem fiktiven Charakter Lucien, ein reisender Händler für die Holländische Kokain-Fabrik. In seinem Wunsch, sich eine Harley Davidson zu kaufen, verkauft er große Mengen an alle Kriegsteilnehmer und macht sich selbst und die Fabrik, für die er arbeitet, mitverantwortlich dafür, dass der Krieg länger andauert. Warum haben Sie sich entschieden, die Geschichte der Fabrik und der Rolle der Niederlande im ersten Weltkrieg auf diese Weise zu erzählen?

Diese Entscheidung beruht auf den Fakten, die ich gefunden habe, und den Emotionen, die sie bei mir ausgelöst haben. Ich hätte ein Sachbuch schreiben können. Aber die fiktive Form funktionierte einfach besser.

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Warum?

Meiner Erfahrung als Autorin nach, erreichst du ein größeres Publikum mit einem Roman und du kannst die Fakten anschaulicher zeigen. Einer der Hauptcharaktere ist ein freundlicher Britischer Soldat, dessen Leben zerstört wird, als er mit Kokain in Berührung kommt. Auf der anderen Seite wollte ich das Bild einer normalen, gewöhnlichen Fabrik zeichnen, mit einem gewöhnlichen jungen Mann als ihrem Vertreter. Ein netter Kerl aus Haarlem, der sich einfach nur eine Harley Davidson kaufen möchte. Erst später, als er Soldaten trifft, versteht er, welches Elend er dadurch geschaffen hat. Indem man Geschichte so zu Papier bringt, liest sie sich wie ein Thriller…

Was eine bessere Methode ist, deine Botschaft zu übermitteln.

Exakt. Das Buch wird wahrscheinlich in England auch so einige Reaktionen provozieren. Der große Krieg ist dort noch viel präsenter in der öffentlichen Wahrnehmung, als in Holland. Es wird wohl wahrscheinlich ein paar Diskussionen geben. Auch, weil es mit Wissen der britischen Regierung geschehen ist. Und die Leute werden sich fragen, was mit den Soldaten heute passiert, den Truppen, die im Ausland kämpfen.

Woher hatten die Niederlande ihre Ressourcen, um das Kokain zu produzieren?

Die Kokablätter, aus denen das Koks gewonnen wurde, kamen von Kokabüschen in Bolivien und Peru. Aber weil es im neunzehnten Jahrhundert so ein populäres Produkt war, wurde einer dieser Büsche nach Java gebracht, in den botanischen Garten. Sie begannen mit ihm zu experimentieren, und offensichtlich machte sich der Busch sehr gut in Java. Danach legten sie Plantagen an. So entstand das berühmte Java-Kokain. Es war von viel besserer Qualität, als die Südamerikanische Variante. Die Bolivianischen und Peruanischen Märkte wurden völlig zerstört. Es gab damals eine Kokablatt-Auktion in Holland.

Und wo war die?

In Amsterdam. Ich weiß nicht genau wo. Während des zweiten Weltkrieges wurde anderen Ländern der Zugang verwehrt, damit sie eine Monopolstellung im Kokainhandel aufbauen konnten.

Clever. Aber warum kommt dann heute das meiste Koks aus Südamerika und nicht aus dem Osten?

Ich weiß es nicht. Es gibt viele Dinge, die wir nicht wissen. Vielleicht gibt es da riesige Plantagen. Indonesien ist ein großes Land.

Wie, denkst du, geht Holland mit seiner besonderen Geschichte um?

Ich denke sie wurde verdrängt. Wenn du bedenkst, wie lange ich gebraucht habe, diese Informationen zusammenzutragen, das kann einfach nicht sein. Aber, weißt du, Holland hat auch andere Leichen im Keller…

Zum Beispiel?

Nimm die Apartheid. Das ist ein Holländisches Wort. Verwoerd, der Erfinder des Apartheidsystems, kam aus Amsterdam. Die Niederlande haben ihre Spuren hinterlassen…

Aber die Holländische Regierung hat sich klar von der Apartheid distanziert.

Aber Holländische Unternehmen halfen, das System aufrechtzuerhalten. Shell und Unilever hatten ein ökonomisches Interesse an der Apartheid. Das System brach zusammen, als wir diese Unternehmen angriffen. Du musst sie über ihre Geldbörsen kriegen, dann fangen deine Aktionen an, Wirkung zu zeigen. Es gibt diese dumme Holländische Mentalität, die ich gerne untergraben möchte. Diese Arroganz, bezüglich unserer Geschichte. Wenn man sich nicht traut, die eigene Geschichte ehrlich zu betrachten… Wir haben bei Sklaverei und Apartheid unsere Finger im Spiel gehabt und jetzt das. So gesehen bin ich wirklich auf einer Mission, haha! Ich werde sie kriegen!

Vielen Dank an das International Institute of Social History, Amsterdam für die Bilder von der Kokainfabrik.



Monday, November 2, 2009 at 16:24
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