
Viele meiner Freunde haben sich in letzter Zeit über mich lustig gemacht, wegen dieses Fotos von mir in der letzten Ausgabe von Vice. Aus zwei Gründen: 1) Meine Haare sind blondiert und 2) wurde ich von der U-Bahnpolizei verhaftet. Ich wünschte ich könnte euch erzählen, dass wäre passiert, weil ich einen Zug kidnappen wollte, so wie in Pelham 123 (das Original, nicht der mit Vinnie Barbarino), aber das ist nicht der Fall. Es ist nicht ganz so peinlich, wie fürs Schwarzfahren verhaftet zu werden, aber es ist ziemlich nah dran.
Damals 19994 war ich ein junger Draufgänger, neu in Manhattan und vollkommen verliebt in die Schmierereien zweier Graffiti Typen: COST & REVS. Sie waren echt überall. Und ihre Graffitis waren so anders, als all die anderen Graffitis, die ich hasste: SIE WAREN LESBAR. Die beiden benutzten Farbroller und malten ihre Namen in riesiger Größe und sehr einfachen Buchstaben auf die Seite von Gebäuden. Sie machten niedliche kleine Werbetafeln, mit denen sie New York überzogen: COST EATS REVS und so weiter und so fort. Sie hatten meine volle Aufmerksamkeit, und ich wartete gierig auf mehr. So sehr ich das unleserliche farbverschwenderische Gekritzel irgendwelcher Tagger verachtete, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als wie COST und REVS zu sein, und dumme, sinnlose Wörter in die Welt zu schreiben.
Dann freundete ich mich mit einem Skater aus Pennsylvania an, der die Kunstschule besuchte. Er nannte sich DOAP. „Du weißt schon, so wie SOAP“, sagte er. Mein Herz begann zu singen. Es war der schönste Schreibfehler, den ich je gesehen hatte. Ich war verliebt. DOAP konnte der REVS für meinen COST werden. Ich brauchte nur einen Namen. Ich dachte, es wäre besonders lustig, wenn mein Name einfach nur CHRIS wäre. Oder sogar besser. CHRISTOPHER JAMES XAVIER NIERATKO. Die Offensichtlichkeit wäre meine Tarnung. Aber dann dachte ich, ich sollte versuchen, einen aktuellen Bezug einzuarbeiten, und zu der Zeit war nichts aktueller, als The Juice, der seine Frau und deren Liebhaber abgeschlachtet hatte. Also entschloss ich, mich OJAY zu nennen.
Am nächsten Tag druckte ich in meinem Redaktionsjob bei Disney Dutzende DIN A4 Kopien, auf denen in großen Lettern stand:

In meiner Phantasie war ich so dermaßen verschlagen und heimtückisch; ich hatte ein Alter Ego! Am Tag war ich ein höflicher Reporter für ein Kindermagazin von Disney und nachts war ich ein Street Art Komiker, der die Welt mit seinen zeitgeschichtlichen Kommentaren zum Lachen brachte. ES WÜRDE GROßARTIG WERDEN!
Als ich das erste Mal loszog, war ich dermaßen aufgeregt, dass ich die Kameras vollkommen ignorierte, die die Haltestelle in der neunten Straße umsäumten. Während ich jede Säule, jeden Mülleimer und vorbeifahrenden Zug und jeden Passanten beklebte, lachte sich die U-Bahnpolizei kaputt über den dämlichen Jungen, der da gerade für ein fantastisches Fernsehprogramm in der Wache sorgte. Gerade als ich mein letztes Plakat verklebt hatte, spürte ich ein Tippen auf meiner Schulter.
Erwischt.
Der Cop erzählte mir, wie sich alle über mich amüsiert hatten, den SCHLECHTESTEN GRAFFITI KÜNSTLER ALLER ZEITEN, der direkt unter jeder vorhandenen Kamera die Station vollgeklebt hatte. So gesehen, war ich erfolgreich gewesen: Ich hatte die Leute zum Lachen gebracht. Der Wachmann ließ mich alle noch nassen Plakate entfernen, die ich grade angebracht hatte. Dann brachte er mich in ihr geheimes Hinterzimmer, und sie nahmen meine Personalien auf. Wie du an dem Foto sehen kannst, fand ich das alles genauso bescheuert wie sie. Ich war seit 19 Minuten Graffiti Künstler und jetzt schon die totale Niete.
Heute muss ich immer lachen, wenn ich ein Graffiti sehe, weil ich mir denke: „Wenn ich das gemacht hätte, wäre ich erwischt worden.“
RANDNOTIZ:

Ich bin mehr als nur ein bisschen angepisst darüber, dass keiner von euch für mein semi-anti-kanadisches Skateboard mitgeboten hat. Die Erlöse werden verwendet, um Kanadiern zu helfen, weniger kanadisch zu sein. Ihr habt noch vier Tage. Kriegt eure Ärsche hoch, Leute!
(Für mehr Blödsinn geht auf chrisnieratko.com)




