
Niemand lebt mehr auf dem Land. Kim Köster kommt vom Land und nachdem er den ländlichen Raum mit Spraydosen beackert hatte, folgte die Flucht in die große Stadt. Streetart funktioniert eben auch nur leidlich zwischen Schafsweiden und Äckern.Irgendwann hat er also seine Spraydosen eingepackt und ist in die Hauptstadt gezogen, um dort die Wände zu taggen. Aber auch das wurde ihm irgendwann zu langweilig und so erklärte er jeden Raum zum Kunstraum. Gestern Abend war er bei der Beck’s Gold Urban Experiences in der ehemaligen SED Kaderschmiede am Kölnischen Park mit am Start und startete sein Kooperationsprojekt mit Julia Zobel und Silvana Hillerin von Balestra Berlin und den Filmkünstlern Christoph und Stefan Hartmann von Track’n'Field. Wir haben uns also mal von ihm erklären lassen, was so in Dörfern passiert und wie sich Kreativität bewegt.
VICE: Du kommst aus Woperswede, wo zur Hölle ist das denn?
Kim Köster: Das liegt bei Bremen, irgendwo im Norden. Ein ganz, ganz kleines Dorf. Ich weiß nicht einmal, wieviele Einwohner es hat, aber es sind jedenfalls nicht sehr viele. Sehr klein, sehr klein.
Und dieses Dorf hast du zugetagged bis du verjagt wurdest?
Weitergezogen, eher. Graffiti war aber auf jeden Fall mein Einstieg. Mit zwölf habe ich mein erstes Bild mit der Dose gemalt und von da an war ich angefixt. Aber wie es eben in so einem kleinen Dorf ist, will man raus. Man sieht die große Stadt und denkt, dass ist ein Ort, an dem etwas los ist. Da passieren Dinge.
Also ab nach Berlin…
Ja, Berlin war dann für mein Leben natürlich ein Schnitt. Ich habe dann dort auch mit der Graffiti- und HipHop-Szene abgeschlossen. Andere Dinge wurden interessanter. Ich belegte Portrait- und Aktzeichenkurse und habe einen anderen künstlerischen Weg eingeschlagen. Wenn man Kunst machen will, egal, in welchem Bereich, ist es essentziell auch das entsprechende Vokabular drauf zu haben.
Aber von der Straße bist du ja nicht wirklich weggekommen.
Nicht wirklich, ich hatte erstmal ein paar Jahre Pause und bin viel umhergereist und als ich wiederkam, war mein zeichnerischer Output erstmal sehr gering. Es brauchte dann erstmal einen Freund, Johannes Buenemann, der mir eine verlassene Fabriketage zeigte und ich dachte, wow, diese Räume sind super. Da möchte ich etwas machen und da habe ich dann auch einfach wieder losgelegt. Erst ein Hallenkomplex, dann noch einer und soweiter am Ende war die gesamte Fabrik voll. Dabei ist dann unser Projekt 99 Rooms entstanden. Also eigentlich bin ich von der Straße zu Räumen gekommen und interpretiere was “Raum” bedeutet.
Was machst du dann mit den Räumen?
Meine Herangehensweise ist an sich, erstmal schöne Räume zu suchen und dann da etwas Kleines zu ergänzen, davon Fotos zu machen und das dann weiter zu verwerten.
Okay, Beck’s Gold Urban Experiences ist ja ein Workspace und alle schrauben an irgendwas herum, was habt ihr vor?
Mich reizt besonders der interdisziplinäre Aspekt des Ganzen. Das Thema Urban wird von allen ganz anders angegangen. Das Thema ist natürlich die Stadt, was sich auch in den anderen Kunstwerken des Workshops widerspiegelt, doch statt diesmal den Raum selbst zu bearbeiten haben sich Balleska und ich überlegt, wie wir die Kreativität innerhalb des Raumes darstellen können.
Also kartografiert ihr die kleine Stadt innerhalb der Stadt?
Jeder Künstler wird mit Leuchtdioden versehen und alle 20 Minuten wird das Licht abgeschaltet, ein Foto gemacht und aus all diesen Fotos entsteht später eine Kartografie der Kreativen Bewegung innerhalb dieses Raumes.
Malen nach Zahlen also?
Im Prinzip ja. Die These des Ganzen ist natürlich, wenn Kreativität im Raum ist, bedeutet das auch gleichzeitig mehr Bewegung. Wir hoffen, dass am Ende ein organisches Gebilde entsteht, aber wir werden sehen, wie es heute Abend ausgehen wird.
Mehr Bilder zur Veranstaltung findet ihr HIER. Die weiteren Beck’s Gold Urban Experiences Workspaces finden in komplett neuer Besetzung am 12. November in Hamburg und am 19. November in München statt. Neuigkeiten findet ihr auch auf www.urban.becks.de




