
Vor Kurzem bin ich auf einen Trailer zu dem Streifen “Vampyros Lesbos” gestoßen, in dem angekündigt wird “Rätsel über Rätsel in einem Film voller Spannung und Sex!” — stehe ich allein da wenn ich sage, dass das der geilste Film aller Zeiten sein muss? Ich habe herausgefunden, dass er von einem Typen, Jesús Franco, gedreht wurde, der zwischen 1965 und 1980 jedes Jahr sechs Filme gedreht hat. Ich weiß nicht worum es in seinen anderen Filmen geht, aber “Vampyros Lesbos”—der übrigens auf Deutsch, in Spanien und Deutschland gedreht wurde—muss wohl so ziemlich sein Masterpiece sein wenn es heißt “Frauen im Banne des unheimlichen Erbes und uralten Fluches des Grafen Dracula.”Noch brillanter als die Aussicht auf jede Menge Lesbensex finde ich allerdings den Soundtrack. Tarantino hat ihn ausschnittweise für seinen Film Jackie Brown verwendet und ich vermute, dass Vampyros Lebos sein Schaffen im Allgemeinen sehr geprägt haben muss, sieh dir mal das hier an: Read the rest of this entry »




Im Blockbuster-Kino ging es ja immer um das Drumherum, das das Erlebnis ausmachte, nicht nur den Film. Dank Internet-Piraterie gewinnen auch Pressevorführungen immer mehr an Charme einer terroristischen Geiselnahme. Nach der Unterzeichnung der zweiten Sperrfrist-Vereinbarung geht es weiter zum Security Check, wo man sein Handy, diverse MP3-Player oder Kameras abgeben darf. (Weil mit meinem Uralt-Billig-Nokia hätt’ ich sicher gut mitfilmen können.) 
Mit der Entscheidung der vergangenen Tage, mich nie wieder mit Gegorenem zu berauschen, kam auch die Idee zu einem Dekaden-Rückblick um zu rekapitulieren, was sich cineastisch interessantes getan hat. Ja, ich weiß, dass offiziell noch ein Jahr fehlt bis zum Ende des Jahrzehnts, aber wen juckts? In 2010 kommt wahrscheinlich ohnehin bis auf BITCH SLAP und MACHETE nichts Erwähnenswertes, und wer geht heutzutage überhaupt noch ins Kino? Nun, die Auswahl mag etwas willkürlich erscheinen, aber es sind eben Schmankerl, die man vielleicht schon wieder vergessen hat, und außerdem bin ich schon wieder leicht betrunken. 
Mein Bruder und ich habe schon seit Jahren eine Tradition am Weihnachtsabend. Wenn das Kalbsgulasch gegessen und die zwanzig Eurogutscheine für Eduscho ausgetauscht worden sind, holt der Erstgeborene eine DVD aus dem Tabernakel. Die Hülle zeigt einen stark verschwitzten und elend schauenden Mann, gekleidet in ein blutverschmiertes Ruderleiberl. Wie jeden 24. Dezember, kurz nachdem Mutter die zweite Flasche Chianti vernichtet hat, schauen alle DIE HARD.
Natürlich, an einem verkaterteren Sonntagnachmittag gibt es nichts Besseres als die Couch und eine ganze Reihe von Animations- oder Zeichentrickfilmen. Im Unterhemd und einem Reparatur-Seiterl mach ich mich auf die Suche nach meiner Seele im bunten, manchmal pixeligen Wunderland des 3D-Designs. Auch wenn ich nur das Minimum an Aufmerksamkeit gewährleisten kann, entgehen mir Botschaften über innere Werte und der Respekt für jegliches Leben NICHT. Egal wie sehr ich am Vortag zuwider jeglicher Moralvorstellungen gehandelt habe, der mutige Clownfisch wird’s sicher schaffen, das Mutterreh wird erschossen und die kochende Ratte macht Lust auf mehr. Und wer bei dem Kurzfilm Partly Cloudy nach einer Nacht voll MDMA nicht in Tränen ausbricht ist, meiner Meinung nach, ein Roboter. 


