
Depart – Gregor Ladenhauf und Leonhard Lass – sind bekannt für ihre schrägen Inszenierungen, die zwar oft nicht verstanden werden, aber immer ein fettes Erlebnis sind. „Doldrums“ ist ihr aktuellstes Werk, ein Stück in Anlehnung an John Cage. Der Komponist genoss eine klassische Ausbildung, begann dann aber mit allen möglichen Dingen zu experimentieren und erwürfelte sich schließlich seine „Instrumente“ (Radiergummis oder Teile von Bäumen) und Partituren mit dem chinesischen Orakel I Ging. Bis er schließlich einfach gar keine Musik mehr machte. Er schloss sich in einem schalldichten Raum ein, hörte immer noch seinen eigenen Herzschlag und bemerkte, dass es niemals und nirgends ganz ruhig ist. Sein Stück 4:33 besteht aus vier Minuten und 33 Sekunden musikalischem Nichts und wurde schon in vielen Interpretationen umgesetzt. Eine davon hat das Duo Depart auf dem Medienfestival SchmiedeHallein in Angriff genommen.
Ich war auch dabei.

Wir bekamen schwarze Masken, ich eine ganz kleine für kleine Köpfe, und hängte mich an die Schultern des Vordermannes. Hinter mir jemand, der kleiner war als ich und mich dementsprechend nach unten zog, während er mir warm ins Genick schnaufte. Nicht meins. Wir schlurften in einer langen Polonaise durch das ganze Gebäude, die Alte Saline, ein Relikt aus Zeiten des Salzabbaus. „Vorsicht Stufe, Vorsicht Stufe, Vorsicht Stufe“ hörte ich jemanden flüstern, während mich jemand von der Seite in die richtige Richtung schob, weil ich dauernd an irgendeinem Holzpfeiler anstieß. Dazu gab es Worte aus der „Lecture on Nothing“. Irgendwann standen wir da so fünf, zehn, zwanzig Minuten so rum, der Text wiederholteholteholte sich.

Dann standen wir vor dem „Dynamoraum“, einer fetten Industriehalle mit Galerie im ersten Stock. „Wem plötzliche laute Musik zu arg ist, der bekommt Ohrstöpsel“, sagte eine Stimme und brav streckten wir alle die Hände aus, nahmen die Dinger entgegen. Jetzt geht´s los. Voller Erwartung stopften wir uns die Dinger in die Ohren. Endlich nahmen sie uns auch die Masken ab! Blitzlichtgewitter. Stroboskope strahlen über eine schwarz/weiß geschminkte Metalband. Und dann…
Passiert nichts. Kein Ton. Stille. Unsicheres Gehüstel unter den Zuschauern. „Damit sie wissen, dass sie eh noch da sind“, meint Gregor.
„Dankeschön“, sagt der Künstler, und entlässt uns in die Nacht.






