CHRISTOPH SCHLINGENSIEF IST TOT

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Zwei Mal ist mir Christoph Schlingensief in der letzten Zeit untergekommen. Als ihn der Spiegel zum Auszucker von Gerhard Richter interviewte und als das Spex unlaengst über Twitter fragte, welches Cover als Profilbild gewünscht wird. Ich hab kurze Zeit später ihn (statt Hegemann) im Postkasten gefunden und heute den ganzen Tag in meinem Rucksack herumgetragen, vom Tingel Tangel Flohmarkt bis zum Campus und zum Spar, wo die Nachricht angekommen ist, dass der Schlingensief jetzt tot ist.

So richtig präsent war er in meinem Leben nie, weil das Theater nie so richtig präsent war. Im 18., in der Videothek gabs ein paar seiner alten Videos, Terror 2000 und noch irgendwas, das ich schon lang vergessen hab. Und ich hab natürlich Bambiland gesehen und zufällig genau den Moment erwischt, wo Patti Smith in dem Seitenflügel des Burgtheaters ein paar Lieder gespielt und zwischendurch von ihrem Ausflug zum jüdischen Musem (oder wars das Siegmund Freud Museum?), das sie extra für sie aufgesperrt haben, erzählt hat. Vielleicht wars auch gar nicht Patti Smith höchstselbst, schließlich sind da an den Abenden auch der Nitsch, der Beuys, der Meese und wer weiß wer noch aller herumgelaufen. Noch lange später ist der Abend besprochen worden und daran gedacht hab ich noch viel länger.

schlingensief

Letztes Jahr hab ich dann sein Tagebuch zusammen mit einer Karte von meiner Mutter geschickt bekommen. Als ich das Buch vorher aus dem Regal gesucht und zur Hand genommen habe, war drei Eselsohren drinnen. Auf Seite 67 gehts darum, dass er alle wegschicken will, auch Aino, seine Freundin (oder vielleicht waren sie da schon verheiratet). Auf Seite 95 gehts um einen Vater Sohn Konflikt, wobei ich jetzt nicht mehr genau versteh, warum ich damals die Ecke umgebogen hab. Überhaupt waren mir einige Stellen zu esoterisch, und manchmal wollte man das Buch einfach nur weglegen, weils einem so nahe gegangen ist. Aber dass ich Seite 114 markiert hab, macht gerade Sinn:

Eigentlich geht es um das Glück, geliebt zu werden und an einen Ort zu gehen, an dem man sich geborgen fühlt. Und ob das nun in einem Jahr oder in zwei oder drei Jahren oder in fünf ist, da muss man die Schläuche fragen.



21/08/2010 at 18:03
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