MONDAY MORNING

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Wenn du am Montag um 9 Uhr in der Früh von einem Anruf mit unterdrückter Nummer geweckt wirst und der Teilnehmer auf der anderen Seite sich mit “Kriminalpolizei, hob ich sie etwa aufgeweckt?” und gleich mit “Wos orbeit ma denn, dass ma um de Uhrzeit nu im Bett liegen?” und “Sie sind im Zuge einer Telefonüberwachung aufgefallen, sie wissen eh worums geht” nachlegt, ist noch nicht alles verloren. Schließlich sind zischen dir und den Kiebaran ein paar Kilometer Luftlinie.

Es hätte auch ganz anders kommen und sie in Sturmmontur vor deinem Bett stehen können können. Trotzdem ist die natürliche Antwort deines Körpers darauf entweder aus Nervosität Speiben oder Scheißen. In der internationalen Schockanrufsrangliste (gilt nur für den Wohlstandswesten) liegen montägliche Polizei Anrufe momentan auf Platz 9, zwar weit hinter einer Hiobsbotschaft aus dem Krankenhaus, dem Anruf von einem Familienmitglied, bei dem man sich vorher durch 5 Minuten Schluchzen kämpfen muss und der Nachricht, dass man die Ergebnisse des Befundes besser persönlich abholen sollte, aber trotzdem noch deutlich vor “Ihr Auto wurde abgeschleppt” (Platz 13), “es liegt ein Fehler vor und sie haben doch nicht gewonnen” (Platz 26) und “überweis endlich die Miete oder du stehst morgen auf der Straße” (Platz 51).

Aber wir wollen hier nicht jammern, sondern dieses traurige Ereigniss zum Anlass nehmen um auf ein paar positive Seiten des ganzen und eine neue Serie hier auf unserem schönen Blog hinzuweisen.

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1. Du erfährst, wie dein Dealer wirklich geheißen hat:

Egal ob du ihn jetzt je nach Herkunft unter Amini, Jovanovich oder John in deinem Telefon eingespeichert hast - das ist nie der echte Name des Typen, auch wenn du dich so sehr daran gewöhnt hast. Meistens hat dein Freund und Helfer in der Not (und ich meine hier ganz sicher nicht die Polizei) in Wirklichkeit einen ganz geläufigen Namen wie Franz Meier, Josef Gruber oder Johannes Kreuzhuber oder einen in unserer Umgebung derartig ungewöhnlichen Namen, dass ihn der Kibara ganz sicher nicht richtig ausspricht und du ihn sofort wieder vergessen hast, nachdem du ihn gehört hast.

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2. Du erfährst, wie viel Geld du in der letzten Zeit verpulvert oder zu Rauch gemacht hast:

Das hängt natürlich von der Gründlichkeit der Polizei-Arbeit ab und schlussendlich (wir meinen vor Gericht) ist allzu gründlich nicht wirklich positiv. Aber meistens weißt du viel mehr als dein Gegenüber und wie bei jeder guten Statistik kannst du hochrechnen. Vielleicht kommst du so zu dem Schluss, dass du statt deines bisherigen Hobbies auch von Geburt an jeden Tag eine Packung Zigaretten rauchen hättest können. Oder du statt deiner wöchentlichen Trips ins Fantasie-Land auch alle zwei Monate eine Woche in Griechenland oder zumindest der Türkei einen All Inklusiv Urlaub machen hättest können. Oder dir einen Ferrari kaufen. Im besten Fall wars nur ein gebrauchter, verrosteter 2er Golf.

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3. Du hast endlich einen Grund deine Wohnung ordentlich zu putzen:

Die Tatsache, dass du eben nur angerufen und nicht wachgerüttelt wurdest, solltest du ausnutzen. Wir haben bis jetzt keine Erfahrung mit Hausdurchsuchungen gemacht, aber wir glauben, dass die so ziemlich jeden Scheiß finden und schlussendlich (wir meinen vor Gericht) gegen dich verwenden. Also leere auf jeden Fall den Aschenbecher aus, wisch deinen Kühlschrank aus (wobei du besonderen Wert auf das Tiefkühlfach legen solltest) und saug deine Laden aus. Ratsam ist es auch, deine Küchenwage abzuwaschen und jegliches Messutensil, dessen Genauigkeit über den Gramm Bereich hinaus geht, aus deiner Wohnung zu entfernen. Bei der Gelegenheit kannst du auch gleich das Bett frisch überziehen (schadet nie!) und auch das Klo wieder einmal putzen (schadet auch nie!).

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4. Du hast endlich die Gelegenheit zu neuen Ufern aufzubrechen:

Um ehrlich zu sein, ist Marihuana, Haschisch, Speed, Ecstasy, Kokain, Heroin, LSD, Crack, Crystal, Liquid Ecstasy und was dir sonst noch so einfällt, nicht besonders originell (die Frage, welche Drogen du kennst, wird übrigens auf jeden Fall im Laufe des Verhörs auftauchen und irgendwie sagt uns das Gefühl, du sollst nicht alles aufzählen, was dir in den Sinn kommt). Dazu kommt, dass klassische Drogentests deinen Urin und dein Blut genau auf diese Substanzen hin untersuchen und es schlussendlich (wir meinen vor Gericht) nicht so gut kommt, wenn der der Streifen, den die Ärztin in dein Lulu hält in allen Regenbogenfarben geleuchtet hat. Womit wir auch schon zum Punkt und bei den kommenden paar Monaten sind (im schlimmsten Fall dauert diese Serie fünf bis zehn Jahre, dann werden Einträge normaler Weise wieder gelöscht): Die Natur und die Pharmaindustrie bieten unendlich viel Stoff aus dem unsere Träume sind. In den nächsten Wochen testen wir uns durch alles, was unsere legale Umgebung so hergibt, angefangen bei Holzrosen, Engelstrompeten Tee, Salvia Davinorum, über Muskatnuss bis hin zur Hausapotheke unserer Mütter und gestörten Freunde.

CHRISTINA BRUGGER





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