MÜLLBERG VARIATIONEN: AUSTROKRAUT VOL. 2

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Wer jemals irgendetwas von Emerson, Lake & Palmer oder King Crimson gehört hat, weiß, was für eine verdammte Gratwanderung Prog-Rock ist. Wer noch nie etwas von diesen Bands gehört hat, kann es sich vielleicht denken. Da wird in die Tasten gehauen und sich in Extase gedudelt, dass es nicht mehr feierlich ist, und im schlimmsten Fall endet alles in einer großen Kakophonie. Songstrukturen à la Strophe/Refrain/Strophe/Bridge/Refrain gibt es nicht, vielmehr scheint alles nach mathematischen Formeln errechnet worden zu sein. Die Schwierigkeiten potenzieren sich, wenn die Band, wie im Fall von Eela Craig, wortwörtlich christlicher als der Papst ist und Songtitel wie Kyrie Eleison oder Sanctus die Tracklisten der Alben pflastern. Aber das wahrhaftige, wirkliche Problem bei der Sache ist, dass in diesem ganzen Haufen ziemliche Perlen versteckt sind. Beim Suchen kann es dann schon mal vorkommen, dass man auch in Linz fündig wird.


Als Eela Craig 1971 ihr erstes Album veröffentlichten, hatten sie ihre Bibelfestigkeit noch nicht ganz so nach außen gekehrt wie später. Nicht, dass Religiosität automatisch auf schlechte Musik hinweist, aber es ist nunmal auch nicht so, als hätte Bob Dylan die besten Alben erst nach seiner Begegnung mit dem lieben Gott gemacht. Ihrem Erstlingswerk haben es Eela Craig auch zu verdanken, dass sie nicht nur als absurde Symphonierocker in Erinnerung bleiben werden, denn die vier späteren Alben eierten allesamt in dem eigentlich nicht vorhandenen Raum zwischen Pop und Klassik herum. Klare Melodien, jedenfalls nicht so bekiffte wie bei anderen Zeitgenossen, und frenetische Instrumentalstrecken sind jedenfalls auf der Habenseite ihres Debuts zu verbuchen. Hier kommen die guten Seiten des Prog zusammen, der in diesem Teil der Welt  Anfang der 70er noch auf der Schwelle vom Krautrock zum Stadionwahnsinn der darauf folgenden Jahre stand. In den besten Momenten klang das dann so, als hätte man Can oder Ixthulu einen Eimer kaltes Wasser in die Visage gekippt. Eindeutig zu früh ist vor nicht ganz zwei Wochen Willi „die Röhre“ Orthofer, Sänger von Eela Craig seit ihrer Gründung bis zur Auflösung Ende der Achtziger, einer Herzattacke erlegen. Anscheinend pflegen auch christliche Rockbands einen bestimmten Lebenswandel.

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Und die anderen? Emerson, Lake & Palmer lösten sich 1998 auf, King Crimson weigern sich vehement. Was aus Leuten wie Pink Floyd und Genesis geworden ist, brauch ich wohl keinem erzählen. Zur Aufheiterung gibt es am Ende noch dieses Video einer japanischen Schülerband, der ich eine große Zukunft voraussage. Irgendwie schaffen sie es, dass sich „21st Century Schizoid Man“ von King Crimson so anhört wie St. Vitus oder Electric Wizard auf „Dopethrone“.





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