
Gestern habe ich mir endlich das neue Vampire Weekend Album angehört. Ich hätte mich auch auf meine Vorurteile verlassen können, doch in einem Anfall von blinder Toleranz und gähnender Festplattenleere tat ich das nicht. Es ist ziemlicher Mist. Eine Sekunde lang schämte ich mich für die Erste Welt, doch dann fiel mir ein, dass DJ Koze sich schon stellvertretend für uns alle entschuldigt hat. Das genaue Gegenteil von Vampire Weekend ist Hasil Adkins: Er war nur vier Tage in der Schule, aß gerne Hühnchen und machte fabelhafte Musik.
Schon 30 Jahre vor Bret Easton Ellis kam Hasil Adinks auf die Idee, seine Herzallerliebste zu enthaupten, um mit ihrem Kopf seinen Trailer zu dekorieren. Er lebte in Madison County, West Virginia, ein Ort, der zu einem Großteil aus Kohleminen besteht und dessen Bewohner die Vorlage für Cletus Spuckler aus den Simpsons waren. Er war ganz sicher nie in Afrika und hat bestimmt auch keinen afrikanischen Jazz gehört, folglich hat er sich daran nicht dreist bedient. Seine Vorbilder hießen Hank Williams, Jerry Lee und Elvis. Allerdings passierten diese Einflüsse auf dem Weg in sein Gehirn eine Art Filter, der entweder aus sehr vielen Drogen oder blankem Wahnsinn bestanden haben muss. Die jaulende Stimme, das wilde Rumgestampfe, die absurden Texte, all das muss für die Rockabilly-Gemeinde geklungen haben wie eine Mischung aus Screamin’ Jay Hawkins, den Sex Pistols und Daniel Johnston. Nur eben bevor es diese Leute überhaupt gab.

Schon als kleiner Junge brachte er sich das Gitarrespielen auf einer zum Instrument umfunktionierten Dose Schweineschmalz bei. Weil er dachte, dass die Musiker im Radio alle ihre Instrumente selber spielen, tat er das auch und nahm auf seinen Aufnahmen sämtliche Spuren alleine auf - gleichzeitig. Als One-Man-Band zog er durch die örtlichen Etablissements, prügelte sich und wurde gelegentliche in eine Schießerei verwickelt. Nur ein paar Kleinstlabels hatten die nötigen Cojones, seine Songs auf Vinyl zu pressen. In seinen Texten kehrte er immer wieder zu drei Kernthemen zurück: Enthauptungen, Sex und Hühnchen.

So wäre es vermutlich bis zu seinem Lebensabend weitergegangen, wären da nicht zwei Kuriositätensammler gewesenen, die in den 80ern einige seiner Heimaufnahmen aus der Eisenhower-Ära zu einer Compilation schnürten und damit ein Label gründeten. Erfolg stellte sich ein, doch Adkins wanderte kurz darauf für sechs Monate in den Häfn. Vor vier Jahren wurde „The Haze“ in seinem eigenen Vorgarten überfahren. Bis dahin war er zwar ein bisschen berühmt, sah es aber nicht ein, aus seinem Trailer auszuziehen. Was ich damit sagen will, ist: Gegen den Typen klingen Elvis Presley und Vampire Weekend, eigentlich aber alles, wie das Winteralbum von Sting.
SCHRINGO PELZ




