LEFT BOY HAT EINEN BERÜHMTEN VATER, ABER UM DEN GEHTS NICHT

img_3726Vielleicht ist es ja der Geist der Nazis der noch durch die Straßen Wiens schwirrt oder Franz Josephs böses Vermächtnis, auf jeden Fall sucht man oft lange nach dem „heißen Scheiß“ , dem Musiker, dem man denn nun wirklich Erfolg in der großen, hässlichen und kalten Welt zutraut und wenn man ihn gefunden hat und sich wirklich sicher ist dass er es schafft, kommt die große Trauer. Denn wenn wir mal ehrlich sind, sind eigentlich nur wir es wert gute Musik zu hören. Auf jeden Fall haben wir dem 3 jährigen egoistischen Kind in uns gesagt es soll still sein und haben Left Boy zum Gespräch getroffen. Nachher fiel uns auf, dass das egoistische Kind in uns tot in der Ecke lag.
Wie war es so in New York zu studieren?
Left Boy: Dieses einjährige Tontechnikstudium hat mich so ziemlich aus dem Leben gerissen, in der ich 18 Jahre gelebt hatte, es war einfach eine Konfrontation mit einer anderen Welt. Die Universität an der ich lernte war das was man am ehesten als eine richtige Ghetto Uni bezeichnen kann. Ich erschloss dort einen Freundeskreis der aus Drogendealern, Streetboxern und anderen äußerst individuellen Leuten bestand.

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Fand der weiße Junge aus Wien schnell Akzeptanz in New York?
Left Boy: Ja, doch es war nicht allzu schwierig ernst genommen zu werden, obwohl sie zu Beginn schon dachten ich würde Emo Rock machen.

Wie stehst du zu Wien?
Left Boy: Ich bin in Wien aufgewachsen. Wien ist einfach viel ruhiger als New York oder andere Großstädte, man muss ja bloß um Mitternacht auf dem Stephansplatz stehen und man wird niemanden sehen. Das könnte man sich in einer tatsächlichen Großstadt nie vorstellen. Diese Ruhe hier finde ich aber sehr nützlich da ich in New York hauchdünne Wände, schreiende Nachbaren und das ewige Hupen auf den Straßen gewohnt bin.

Wie kam es zu deinen Videos, die sind ja zwar alle in der eigenen Küche gemacht aber wirken trotzdem nicht allzu unprofessionel?
Left Boy: Bei „Rich & Beautiful“ habe ich tagelang an einem komplizierten Video gearbeitet aber irgendwie war es dann trotzdem nicht das richtige und dann habe ich aus irgendeiner Laune heraus angefangen einen Freund im Wohnzimmer zu filmen, es war ein Take und er hat sich dabei ziemlich unwohl gefühlt und das machte das ganze einfach so gut. Das Video zum extended Mix wurde so wie es ist, weil ich damals diesen Lichteffekt entdeckt hatte bei dem man nur die Silhouette sieht. Und wegen dem „Girl“ Video werde ich heute noch aufgezogen, ich habe es in diesem Weinkeller unter meinem Schlafzimmer aufgenommen und wollte eigentlich zu meinem wallenden Shirt eine noch fulminanter wallende Hose anziehen, ich bin heute noch froh, dass ich mich nicht dazu entschied.

Legst du, wie mitlerweile jeder, ab und zu auf?
Left Boy: Nicht wirklich, ich habe da nicht allzu gute Erfahrungen gemacht, an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden hatte ich mal aufgelegt. Es waren der Phoenix Supperclub, das Wuk und der Volksgarten und jedes mal ging etwas kaputt oder irgendetwas fiel aus. Meist stand ich dann nur noch dort und musste zur Überbrückung der Stille halt irgendwas sagen.

Interview: Dalia Ahmed, Fotos: Left Boy



08/03/2010 at 14:10
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