Selten kommt es vor, dass eine Band gleich beim ersten Konzert alles umhauen, was so im Weg steht. Sex Jams aus Wien ist so eine Band. DIY und Punk wurde gerade in den letzten Jahren auch vollkommen unsinnigerweise mit einem gewissen Grad an absichtlichem Dilletantismus in Verbindung gebracht, der wirklich schon langweilig wurde. Grauenvoll. Sex Jams können spielen und haben sichtlich Spaß daran, sie sind direkter und freizügiger. In den Texten geht’s um, äh, Gefühle, ums Ausbrechen und endlich auch mal lautstark darum, was wir alle so sehr mögen: um guten Sex.
Einer von euch arbeitet als Behindertenbetreuer und da habt ihr unlängst ein Konzert für eine Behindertenstätte gespielt. Erzähl mal, wie ging’s dort ab?
Flo: Ich arbeite in einem Wohnverbund im 16. Wiener Gemeindebezirk. Das ist eine ambulante Wohnbetreuung für Menschen mit Behinderung, das heißt, sie leben nicht im Heim sondern in eigenen Wohnungen im Bezirk. Ich arbeite im zentralen Büro, so eine Art Anlaufstelle für alle. Wir haben eine 10-Jahres-Feier gehabt, bei der lauter Bands von Leuten gespielt haben, die dort arbeiten. Und eben Sex Jams. Wir haben nicht ganz sicher, wie wir ankommen werden, weil wir ja doch „lauter“ sind, und so weiter. Aber ums kurz zu machen – es war das beste Konzert was wir je gespielt haben.
Warum?
Flo: Weil ab der ersten Reihe bis nach hinten alle Leut’ getanzt haben – aber nicht nur mit Kopf nicken und mit den Händen in der Hosentasche, sondern so richtig, mit Moves, alkfreien Bier, devil-horns und allem drum und dran.
Katie: Es ist sogar die Polizei gerufen worden, wir haben das Konzert abbrechen müssen..
Flo: Genau, beim letzten Lied ist die Polizei gekommen. Zuerst haben wir gedacht, das war ein Schmäh von meinem Chef und wir haben weiter gespielt, bis wir dann von der Bühne aus schön langsam die Polizeikapperl auftauchen sehen haben. Wir haben dann auch wirklich aufgehört zu spielen. Im ganzen Saal ist’s ruhig geworden, bis dann eine Klientin, die ich schon seit 3 Jahren betreue, ihr alkfreies Bier hoch gehoben hat und lauthals gegröhlt hat: „Scheeeiiß Kiwareiiiiiii“!
Katie: …und dann sogar richtig enttäuscht „Jetzt ist amal a Stimmung da, und dann kommt die Polizei…“!
Wieso ist dort mehr Stimmung gewesen als bei den üblichen Hardcore/Punk/etc. -Konzerten?
Katie: Ich glaub’ weil sie sich mehr gehen lassen und weil’s ihr Fest war und es ihnen in diesem Moment, jetzt genau, taugt. Da ist es egal ob der Sound jetzt ein Schas ist, ob sich da jemand auf der Bühne verspielt haben könnte, oder „I steh schlecht“, sondern was passiert in dem Moment, in dem die Töne kommen.
Flo: Es hat auch sicherlich etwas damit zu tun, dass Menschen mit Behinderung nicht so oft zu Konzerten kommen wie andere, die 3 Mal in der Woche auf ein Konzert gehen und schon übersättigt sind. Für diese Menschen ist die Energie aufregender, da passiert was und es ist scheißegal wie wer tanzt.
Ihr bezieht euch auf eurer ersten Single auf eine sexuelle Komponente, und das ziemlich direkt. Seid ihr sexuell befreite Hippies?
Katie: Naja, also sexuell befreit sind wir allemal..
Flo: Nein – befriedigt..
Katie: Es geht um Sex, ja. Mir kann niemand erzählen, dass er oder sie was gegen Sex hat. Es geht um ein Gefühl, um einen Moment..
Flo: Beim Aufnehmen im Studio haben wir uns schon kurz Bedenken geäußert, wie denn Leute darauf reagieren werden, die unseren Hintergrund, unsere Geschichte kennen. „Wen interessiert das, das hätten sie sich sparen können“, und so weiter. Aber im Endeffekt war uns das egal. Es geht um uns. Und die Textzeile This room smells like sex, it’s our sex klingt einfach gut, da kann man nicht anders.
Ist Sex wie jammen im Proberaum?
Flo: Ja, also guter Sex ist wie jammen. Schlechter Sex ist wie das gleiche Lieder immer wieder spielen. Oder wie die selber 30-Sekunden Hardcore-Punk-Nummer! Ich mein’, so eine gute Hendrix Nummer…
30 Minuten lang..
…plus Zugabe.
FOTO & INTERVIEW: DANIEL EBERHARTER





[...] and me against the world. Was gute Musik ausmacht, ist Unaufdringlichkeit. SEX JAMS haben wir schon von Anfang an wahrgenommen. Wir kennen die ersten Schritte und haben gleich gespürt, dass hier etwas Besonderes geschieht. [...]